25. März 2011
WohnQuartier4
Diakonie RWL bringt Erfolgsmodell in die Fläche

Ulrich Christofczik
Die Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe e.V. bietet ab sofort ein neues Beratungs- und Qualifizierungsangebot zur Sicherung der Lebensqualität in Städten und Gemeinden. Das Angebot soll Einrichtungen, Kirchengemeinden und andere Organisationen dabei unterstützen, die Entwicklung altersgerechter Wohnviertel in neuen Netzwerken aktiv zu gestalten. „Damit bringt die Diakonie ein Erfolgsmodell in die Fläche, mit dem sich die Lebensqualität selbst in schrumpfenden Städten und Gemeinden nachweislich stärken lässt“, sagt Ulrich Christofczik, Leiter des Geschäftsbereichs für Pflege, Alten- und Behindertenarbeit in der Diakonie RWL.

Christiane Grabe führt die Beratung durch.
Telefon: 0211 6398-306
c.grabe@diakonie-rwl.de
Erfolgsmodell für Stadtteilentwicklung
Das „Erfolgsmodell“ baut auf neuen Strategien auf, die von der Diakonie, HOCHTIEF, dem Evangelischen Erwachsenenbildungswerk Nordrhein und vielen weiteren Partnern im Projekt „WohnQuartier4“ entwickelt und auf einer Tagung in Düsseldorf der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Im Zentrum der Strategie stehen ungewöhnliche Kooperationsformen zwischen Wirtschaft, Kommunen, Bürgern, Kirchengemeinden und Verbänden, die Wohnen1, Gesundheitsangebote2, Kommunikation3, Bildung & Kultur4 auch unter schwierigen Bedingungen erfolgreich gemeinsam entwickeln. „WohnQuartier4“ wurde von der Stiftung Wohlfahrtspflege NRW mit rund 700.000 Euro gefördert und seit 2008 an mehreren Standorten erprobt. Mit seiner guten, lebendigen Kooperation aller Partner sei das Modellprojekt auch ein modellhaftes Beispiel, wie die Zusammenarbeit ganz unterschiedlicher Organisationen bei der gemeinsamen Gestaltung der Sozialräume gelingen kann, meinte Petra Grobusch, Geschäftsführender Vorstand der Stiftung Wohlfahrtspflege NRW: „Wenn so unterschiedliche Organisationen, Verbände und Unternehmen, so an einem Strang ziehen, ist das schon ein Highlight.“ Petra Grobusch freute sich auch, dass das von der Stiftung Wohlfahrtspflege NRW geförderte Modell auf neue Standorte übertragen wird. Nikolaus Immer, Geschäftsbereichsleiter für Soziales und Integration der Diakonie RWL, berichtet, dass an allen bisherigen Modellstandorten, u. a. in Essen, Remscheid, Burscheid und Grefrath, eine Fortsetzung der Quartiersarbeit mit örtlichen Mitteln gesichert werden konnte. Diese Tatsache zeige, wie tragfähig das im Projekt entwickelte Modell für Quartiersentwicklung sei.

Nikolaus Immer
Verantwortung von Kirche und Diakonie
Christiane Grabe, Koordinatorin des Modellprojekts „WohnQuartier4“, führt das neue Beratungsangebot der Diakonie RWL durch. Sie sieht bei Kirche und Diakonie eine hohe Verantwortung für die Daseinsvorsorge in den Quartieren. Dies schließe auch die Entwicklung neuer, kleinteiliger, sozialer Wohnangebote für Menschen mit Unterstützungsbedarf ein. „Viele Kirchengemeinden schließen Standorte, weil finanzielle Mittel zur Aufrechterhaltung fehlen“, so Christiane Grabe. Damit gehe Wohnvierteln eine fußläufig erreichbare Möglichkeit für Treffen und Veranstaltungen als soziales Zentrum verloren. Noch gebe es die Möglichkeit, Infrastrukturen wie Gemeindezentren oder geschlossene Kirchen aufrechtzuerhalten, umzunutzen oder für neue sozialverträgliche Nutzungen umzubauen. Eine ökonomisch tragfähige Verwertung gelinge oft nur noch dort, wo innovative Nutzungskonzepte und neue Kooperationen entwickelt werden.
Ein Beispiel dafür gibt es in der Gemeinde Altenessen-Karnap. Hier war es in einem Kooperationsverbund von Kommune, Wohlfahrtsverband, Kirchengemeinde und Wohnungswirtschaft geglückt, ein bereits geschlossenes Gemeindehaus wiederzubeleben. Zu finden sind dort nun etwa ein Betreuungsangebot für Menschen mit Demenz, offene Treffpunkte und vielfältige kulturelle Angebote, so Dietmar Fleischer, Stadtteilkoordinator für das Projekt WohnQuartier4 in Altenessen Süd, die im kommenden Jahr durch ein neues Wohnprojekt in der angrenzenden Kirche ergänzt werden. Das Beispiel zeige, wie gut es ist, wenn Kirche und Diakonie gemeinsam mit anderen Partnern bei der Entwicklung von Sozialräumen zusammenarbeiten, schildert Claudia Hartmann, Leiterin des Senioren- und Generationenreferats des Diakoniewerks Essen, ihre Beobachtungen über die Entwicklung im Essener Stadtteil.
Bürgerbeteiligung
Ein Schlüssel für die zukunftsfähige Entwicklung sozialer Infrastruktur ist die aktive Beteiligung von engagierten Bürgerinnen und Bürgern. So könne am besten gewährleistet werden, dass neue Angebote auch Nachfrage finden, so Grabe. Dafür brauche es Orte, die kreative Potentiale freisetzen und neue Formen der Verbindung von Bildung und Engagement, wie sie besonders vom Evangelischen Erwachsenenbildungswerk Nordrhein in das Modellprojekt eingebracht und nun als maßgeschneiderte WohnQuartier4-Fortbildungsangebote weiterentwickelt werden.

Nikolaus Immer und Ulrich Christofczik bei der Abschlussveranstaltung zum Modellprojekt
Expertin für Stadtteilentwicklung
Ulrich Christofczik verspricht sich von dem neuen Beratungsangebot der Diakonie RWL auch eine Abkehr vom „versäulten Denken“, mit dem zum Beispiel offene Angebote der Altenarbeit, ambulante Pflege und Altenheime getrennt betrachtet werden. Die soziale Infrastruktur lasse sich an vielen Orten nur mit einer neuen Verzahnung bestehender Angebote sowie neuen Formen der Bürgerbeteiligung aufrechterhalten. Die Vision sei die Verwirklichung lebenswerter Wohnquartiere, in denen sich alle Generationen und Gruppen unabhängig von Alter oder Behinderungen frei entfalten können. Christofczik äußerte sich erfreut, mit Christiane Grabe eine ausgewiesene Expertin für Stadtteilentwicklung für die Durchführung des neuen Beratungsangebots gewonnen zu haben. Christiane Grabe verfügt über langjährige Erfahrungen in den Feldern Sozialraumanalyse, Bürgerbeteiligung, Projektentwicklung und Quartiersmanagement.