18. April 2011
Fest- und Schlussakt für den Zivildienst
Nach 50 Jahren wird der Zivildienst in diesem Jahr abgeschafft

von links: Walter Spratte, Zivildienstreferent in Bethel, Rainer Hub, Zivildienstreferent des DW der EKD, Jürgen Thor, Referent für Zivil- und Freiwilligendienste der Diakonie RWL
Mit einem Festakt in den v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel in Bielefeld wurde am 13. April des 50-jährigen Jubiläums des Zivildienstes gedacht. 2011 ist, wegen der Aussetzung der Wehrpflicht, gleichzeitig das Ende des Zivildienstes. Der Bundesbeauftragte für Zivildienst, Dr. Jens Kreuter, würdigte den Zivildienst als großartige Erfolgsgeschichte – sowohl für die betreuten Menschen als auch für die Millionen junger Männer, die Einblicke in soziale Arbeit bekommen und eine spezifische Sozialisation erfahren haben. Nicht wenige ehemalige Zivildienstleistende arbeiten heute hauptberuflich in Kirche und Diakonie.
Der Festredner der evangelischen Kirche, Pastor Michael Germer, machte darauf aufmerksam, dass viele Impulse zur Weiterentwicklung des Zivildienstes, zum Beispiel die Entwicklung eines sozialen Lerndienstes, von Kirche und Diakonie ausgegangen seien. Kritisch würdigte er den Pflichtcharakter des Zivildienstes und die oft hohen Hürden bei der Wahrnehmung des Grundrechts auf Kriegsdienstverweigerung. Der letzte Zivildienstleistende scheidet am 16. Dezember dieses Jahres aus dem Dienst aus. Die Zukunft liege in den Freiwilligendiensten.
Der Wechsel vom Zivildienst zum neuen Freiwilligendienst stellt nach Auffassung des Bundesreferenten der Diakonie für Zivildienst und bürgerschaftliches Engagement, Rainer Hub, viele soziale Einrichtungen vor große Herausforderungen. Es sollen genauso viele Plätze im kommenden Bundesfreiwilligendienst wie im Freiwilligen Sozialen Jahr angeboten werden. Gleichzeitig soll das Freiwillige Soziale Jahr gesichert und finanziell stärker gefördert werden. Schätzungen gehen von bis zu 70.000 Teilnehmenden an den Freiwilligendiensten aus.
Der Referent für Freiwilligendienste bei der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe, Jürgen Thor, kündigte am Rande der Veranstaltung an, dass die Zahl der Freiwilligen in diesem Jahr von 700 auf 1.400 in Rheinland, Westfalen und Lippe verdoppelt werden soll – beide Freiwilligendienste sollen sehr ähnlich und attraktiv gestaltet werden.
Der frühere sächsische Oberkirchenrat Harald Bretschneider würdigte Wehrdienstverweigerer und Bausoldaten in der DDR. Diese hätten das Anliegen der Friedensbewegung in die Gesellschaft getragen. Sie seien zudem die Triebkraft für Friedens- und Menschenrechtsgruppen gewesen, die zur friedlichen Revolution beigetragen hätten, sagte der Vertreter der kirchlichen Friedensbewegung in der DDR.
Veranstalter des "Fest- und Schlussaktes 50 Jahre Zivildienst" waren das Diakonische Werk der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und die Evangelische Arbeitsgemeinschaft für Kriegsdienstverweigerung und Frieden (EAK).
Kontakt bei der Diakonie RWL: Jürgen Thor, Referent für Zivildienst und Freiwilliges Soziales Jahr im Geschäftsbereich Familie, Bildung und Erziehung: Telefon: 0251 2709-160, j.thor@diakonie-rwl.de