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Archiv 2011

12. April 2011

Väter und Kinder einbeziehen

Neue Ansätze für Frauenhäuser

Frau und Mann Rücken an Rücken: Frau im Vordergrund

Foto: © Tatyana Gladskih - Fotolia.com

Frauen flüchten vor der Gewalt ihrer Männer ins Frauenhaus und kehren doch vielfach nach kurzer Zeit wieder zurück. Weil die Probleme in der Familie aber nicht gelöst sind, werden sie wieder geschlagen - ein "Drehtüreffekt" entsteht. Nach neuen Wegen aus dieser Gewaltspirale suchten gut 100 Mitarbeiterinnen aus den 63 Frauenhäusern in Nordrhein-Westfalen am Donnerstag auf der 2. Frauenhauskonferenz NRW unter dem Titel "Quo vadis Frauenhaus?" in Dortmund. Einen Ansatz dazu zeigten holländische Kolleginnen aus Alkmaar am Modellprojekt "Oranje Huis" auf. Hier wird seit zwei Jahren mit der ganzen Familie gearbeitet und ist die Adresse des Frauenhauses auch nicht mehr geheim. Die guten Erfahrungen des Oranje Huis mit diesem Modell sind aktueller Anlass auch in NRW über neue Konzepte der Frauenhausarbeit nachzudenken, so Hiltrud Wegehaupt, Referentin für Frauenhäuser und Frauenprojekt in der Diakonie RWL.

"Gewalt entsteht in der Dynamik der Familie" - auf dieser Beobachtung basiert das Modell einer Hilfe, die nicht nur die Frauen, sondern auch die Kinder und vor allem die Väter einbezieht. Die Frauen werden deshalb gefragt, ob ihre Männer angerufen und eingeladen werden dürfen. Die Erfahrungen zeigen, dass die meisten von ihnen zustimmen. In gemeinsamen Gesprächen werden die Männer erst an ihre Verantwortung als Väter erinnert und im zweiten Schritt die Probleme in der Partnerschaft angesprochen.

Die Erfahrungen mit dem neuen Konzept sind durchaus positiv. In einer Befragung äußerten  die 118 Frauen, die das Oranje Huis im ersten Jahr aufgesucht haben, mit deutlicher Mehrheit, dass sie sich trotz der bekannten Adresse sicher gefühlt hätten. Unterschätzt habe man die materiellen Probleme der Frauen. Eigentlich, so Essa Reijmers habe man sich damit erst nach den ersten sechs Wochen beschäftigen wollen, das sei aber früher notwendig gewesen.

Hiltrud Wegehaupt begrüßt das Konzept der systemischen Familienarbeit des holländischen Modellprojekts, in der Väter und Kinder, aber auch gegebenenfalls Verwandte und Nachbarn, einbezogen würden. Die Arbeit mit dem gesamten System stärke die Rolle der Frauen und führt - so die Ergebnisse der Evaluation -  häufiger zu einer klaren Trennung von dem gewalttätigen Mann als in dem früheren nicht-systemischen Arbeitsansatz.

Kontakt bei der Diakonie RWL: Hiltrud Wegehaupt-Schlund, Referentin für Erziehungshilfe, Familienpflege und Frauenhäuser im Geschäftsbereich Familie, Bildung und Erziehung: Telefon: 0251 2709-265,

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