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Archiv 2011

15. Juli 2011

Armenpflege-Denkmal neu aufgestellt

Bürgerinitiative finanziert Denkmal zum Elberfelder Modell

Bild des Denkmals, wie im Text beschrieben

Das Armenpflege-Denkmal in Wuppertal-Elberfeld.
Bild auf Klick größer.
Foto: Friedrich Lange

Das Elberfelder Modell, ein stadtteilorientiertes System zur Armenpflege, war ein prägendes Modell bei der Entwicklung einer von Kommunen, Kirchen und entstehenden Wohlfahrtsverbänden getragenenen Armenfürsorge in Deutschland. Seit Juni 2011 steht auf dem Kirchplatz vor der Citykirche in Wuppertal-Elberfeld ein Denkmal, mit dem das Engagement der ehrenamtlichen Armenpflegerinnen und Armenpfleger gewürdigt wird. Es ist die Rekonstruktion eines verschollenen Denkmals von 1903. Eine Bürgerinitiative hatte Spenden gesammelt, um die Rekonstruktion des Denkmals zu finanzieren.
Insgesamt kamen so 175 000 Euro zusammen. Die acht Tonnen schwere Bronzestatue zeigt eine Frau, die ihren Arm fürsorglich um einen alten Mann gelegt hat, dem sie etwas zu Essen reicht.

Das Denkmal

Im Jahr 1903 war an der gleichen Stelle das originale Denkmal von der Stadt Elberfeld errichtet worden - damals zum 50. Jahrestag des Bestehens des Elberfelder Modells. Das Original verschwand während des zweiten Weltkriegs und wurde vermutlich für die Kriegsproduktion eingeschmolzen. Der 1,5 Meter hohe Granitsockel ist der erhaltene alte Sockel, der vor einigen Jahren bei Ausgrabungen wiedergefunden wurde. An seiner Vorderseite ist eine Tafel mit folgendem Text angebracht: "Den Begründern der Neuordnung des Armenwesens in dankbarer Erinnerung. Errichtet von der Stadt Elberfeld 1853-1903". An den beiden Seiten und der Rückseite sind Porträtmedaillons angebracht mit den Porträts der Begründer des Elberfelder Modells, Daniel von der Heydt, David Peters und Gustav Schlieper.

 

Hintergrund: Das Elberfelder Modell

Daniel von der Heydt war Unternehmer, Bankier und beigeordneter Bürgermeister von Elberfeld. Zusätzlich war er einer der Mitbegründer der Elberfelder niederländisch- reformierten Kirche. David Peters und Gustav Schlieper waren Fabrikanten und die beiden anderen Mitbegründer des Elberfelder Modells.  Mitte des 19. Jahrhunderts gab es im bereits stark industrialisierten Wuppertal eine zunehmende Verarmung von Teilen der Bevölkerung. Ein neues System der "Armenpflege", entwickelt von Stadt, evangelischer Kirche und entstehender Wohlfahrt, stellte die "Armenpflege" auf neue Füße - mit einem strukturierten, stadteilorientierten System, in dem finanzielle Unterstützung, persönliche Fürsorge und Kontrolle für bedürftige Menschen kleinräumig organisiert wurden.
Die Initiative ging dabei von der Stadt aus. Elberfeld wurde in 150 Quartiere, die zu 18 Bezirken eingeteilt wurden, aufgeteilt. Jedes Quartier, jeweils einige Häuserblocks, besaß eine nur für dieses eine Quartier zuständige Armenpflegerin oder Armenpfleger. Diese Armenpfleger arbeiteten ehrenamtlich und waren sehr oft Angehörige der gehobenen Schichten, zum Beispiel Kaufleute und Beamte. Jeder Bezirk hatte einen Armenvorsteher, die den Armenpflegenden übergeordnet waren. Armenpfleger und Armenvorsteher wurden von der Stadtverordnetenversammlung auf Vorschlag der Kirche gewählt. Wer Unterstützung benötigte, konnte einen Antrag an die Armenpflegerin oder den Armenpfleger stellen. die oder der dann vor Ort den Anspruch auf Hilfe prüfte. In Ausnahmefällen konnte sofort Unterstützung gewährt werden. In der Regel wurden die Anträge auf der alle 14 Tage stattfindenden Bezirksversammlung bearbeitet. Zu den Aufgaben der Armenpflege gehörte auch die Vermittlung von Arbeit, und, wie Kritiker hervorheben, auch die Sanktionierung unerwünschten Verhaltens (siehe Links unten).

Text, Fotos, Interview: Friedrich Lange


Interview zum Thema

Diakoniedirektor Dr.  Martin Hamburger (Diakonie Wuppertal) im Gespräch mit Friedrich Lange, Schüler am St.-Anna-Gymnasium Wuppertal / Praktikant in der Stabsstelle Diakonisches Profil in der Diakonie RWL

Druckversion des Interviews

Video-Interview

 

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