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6. Mai 2011

"Ursachen von Erkrankungen ressortübergreifend wahrnehmen"

Dr. Uwe Becker fordert neue Ansätze in der Gesundheitspolitik

Ministerin Barbara Steffens, vdek-Vorstand Thomas Ballast und Vorstand der Diakonie RWL, Dr. Uwe Becker

Ministerin Barbara Steffens, vdek-Vorstand Thomas Ballast und Vorstand der Diakonie RWL, Dr. Uwe Becker

Dr. Uwe Becker, Vorstand der Diakonie RWL, fordert neue Ansätze in der Gesundheitspolitik, die die Verursachung von Erkrankungen besser in den Blick nimmt. Bei einer Diskussionsveranstaltung u. a. mit NRW-Ministerin Barbera Steffens und DGB-Bundesvorstand Annelie Buntenbach forderte Becker, die gesundheitlichen Folgen von Politik in allen Politikfeldern systematischer zu berücksichtigen.

Als Beispiele nannte er die zunehmende Belastung von Beschäftigten in vielen Berufsfeldern, den massiven Abbau von Fördermaßnahmen für Menschen in Arbeitslosigkeit oder den zunehmenden Leistungsdruck im Schulsystem. "Wir brauchen eine Politik, die ressortübergreifend denken und handeln kann. Man muss immer wieder wahrnehmen, welche Bedingungen Krankheit produzieren", so Becker.

 

Bessere Finanzierung

Barbara Steffens, Ministerin für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter, forderte in der Diskussion die Einführung einer Bürgerversicherung. Die Grundidee der Bürgerversicherung ist, alle Bürger mit allen Einkommen in ein einheitliches System der Kranken- und Pflegeversicherung einzubeziehen. Nur mit einer Bürgerversicherung könne die Finanzierung des Gesundheitswesen zukunftssicher gestaltet werden, so Steffens. Die Trennung von Kranken- und Pflegeversicherung führe zudem zu einem irrationalen System, in dem Einsparungen auf der einen Seite zu erheblicheren Kostensteigerungen auf der anderen Seite führten. Eine Zusammenführung mache es einfacher, das System an den Bedarfen von erkrankten oder pflegebedürftigen Menschen auszurichten.

Ministerin Barbara Steffens im Gespräch mit Diakonie RWL-Vorstand Dr. Uwe Becker

Becker schloss sich der Forderung an, die Finanzierung des Gesundheitswesens auf breitere Schultern zu stellen. Allerdings warnte er davor, auf "den großen Wurf" zu warten. Eine mögliche Maßnahme zur finanziellen Entlastung des Gesundheitswesens sei, die Krankenversicherungen von versicherungsfremden Leistungen zu entlasten. "Ich behaupte zum Beispiel, dass Schwangerschaft keine Krankheit ist. Wir haben viele Leistungen, die nicht zwingend von der Krankenversicherung abgedeckt werden müssen", stellte Becker fest. Es sei zu prüfen, ob Präventionsleistungen oder die medizinische Betreuung für schwangere Frauen nicht anders, gesamtgesellschaftlich, solidarisch und steuerfinanziert erbracht werden könnten.

 

Fachkräftemangel

Solidarität in der Gesundheitspolitik sei kein rein fiskalisches Problem, so Becker. Er wies in diesem Zusammenhang auf den Fachkräftemangel in der Pflege hin, durch den die "Substanz für Würde in der Pflege" verloren gehe. "Wir wissen, wie die Pflegekräfte darunter leiden, dass sie den Patienten oft nicht die Zuwendung zukommen lassen können, die sie gerne geben würden, weil die enge Zeittaktung dafür keinen Raum läßt", so Becker. Der Pflegeberuf müsse wieder attraktiver werden.

Durch die Verkürzung der Liegezeiten und die zunehmende Ambulantisierung der Versorgung gebe es zusätzlich eine Verschiebung von Lasten auf das häuslichen Umfeld, "oft ohne zu schauen, ob diese das überhaupt leisten können und oft ohne ein Nachdenken über eine Unterstützung der betroffenen Familien".

 

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