30. März 2011
Sechstes Fachgespräch für Familienzentren
Familie und Gesundheit aus systemischer Sicht

Maria Loheide
In Kooperation mit dem Evangelischen Fachverband für Frauengesundheit e.V. lud die Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe e.V. am 24. Februar 2011 zu ihrem sechsten Fachgespräch für Familienzentren ein. Das ausgebuchte Fachgespräch widmete sich diesmal dem Thema „Familie und Gesundheit in Familienzentren".
Der Umstand, dass die Tagung weit ausgebucht war, zeige, dass die Frage nach Gesundheit eine zentrales Thema für Familienzentren sei und bei den Leitungen und Mitarbeitenden ein großes Interesse daran bestehe, sagte Maria Loheide, Leiterin des Geschäftsbereichs Familie, Bildung und Erziehung der Diakonie RWL bei der Begrüßung zur Tagung.
Einen weiteren Hintergrund für die Themenwahl bildeten der 2009 erschienene 13. Kinder- und Jugendbericht der Bundesregierung zum Thema „Gesundheitsbezogene Prävention und Gesundheitsförderung in der Kinder- und Jugendhilfe" sowie die Studie des RobertKoch-Instituts zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland (KiGGS).

Dr. Hanna Kaerger-Sommerfeld
Veränderte Risiken für Kinder und Jugendliche
Beide Berichte gehen davon aus, dass eine zunehmende Zahl von Kindern und Jugendlichen gesundheitlichen Risiken ausgesetzt ist. Dabei verschiebe sich das Krankheitsspektrum von akuten zu chronischen Erkrankungen und von somatischen zu psychischen Gesundheitsbeeinträchtigungen. Diese Krankheitsbilder hängen eng mit Lebensweisen und psychosozialen Stressfaktoren zusammen, und zwar insbesondere bei mehrfach belasteten Familien — eine Entwicklung, die sich auch in Familienzentren und Kindertagesstätten wahrnehmen lässt, so Dr. Hanna Kaerger-Sommerfeld, Referentin im Geschäftsbereich Familie, Bildung und Erziehung der Diakonie RWL. "Die Aufrechterhaltung von Gesundheit und die Entstehung von Krankheit lassen sich dabei nur aus einer ganzheitlichen Perspektive verstehen, die das gesamte Familiensystem, die Kinder und die Eltern in ihrem jeweiligen Lebenskontext einbezieht". So komme der 13. Kinder- und Jugendbericht u. a. zu dem Schluss, dass insbesondere Kinder auf verläßliche Brücken zwischen verschiedenen Hilfsangeboten angewiesen seien. Hier könnten insbesondere Familienzentren einen wichtigen gesundheitsfördernden Beitrag leisten, da ihnen bereits konzeptionell die Verzahnung verschiedener Angebote durch eine Vernetzung unterschiedlicher Kooperationspartner zugrunde liegt.
Zu diesem Schluss kamen auch die beiden Vortragenden, Dr. Regine Rapp-Engels (Präsidentin des Deutschen Ärztinnenbundes e.V.) und Dr. Nico Dragano (Sozialwissenschaftler am Universitätsklinikum Essen). Dr. Nico Dragano machte durch die Darstellung verschiedener Studien in frappierender Weise deutlich, dass "die Chancen auf ein gesundes und langes Leben in Deutschland und weltweit zwischen den sozialen Gruppen einer Gesellschaft ungleich verteilt sind".
Dragano verwies auf die Komplexität in der Entstehung gesundheitlicher Ungleichheit bereits im Kindes- und Jugendalter. Das Geschehen sei multifaktoriell und ebenenübergreifen. Feststellbar sei jedoch folgende Tendenz, so Dragano: "Je niedriger die soziale Position der Familien, desto mehr frühe Risiken kumulieren".
Unbestritten sei, dass eine Förderung von Kindern und Familien so früh wie möglich erfolgen müsse und intersektoral, professionell und partizipativ gestaltet sein solle … - zum Beispiel in Familienzentren, so ergänzend Dr. Hanna Kaerger-Sommerfeld.
Kontakt bei der Diakonie RWL: Dr. Hanna Kaerger-Sommerfeld, Referentin für Familienzentren, Tageseinrichtungen für Kinder im Geschäftsbereich Familie, Bildung und Erziehung. Telefon: 0211 6398-348. h.kaerger-sommerfeld@diakonie-rwl.de