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Archiv 2011

31. Mai 2011

Zahl der Langzeitarbeitslosen steigt - Chancen auf Teilhabe sinken

Befragung der Diakonie RWL zeigt Rückgang an geförderten Arbeitsplätzen

Rückgang in der Zahl der 1-Euro-Jobs

Rückgang der 1-Euro-Jobs bei den befragten Trägern
1. April 2010 / 1. April 2011

Die neuen Arbeitslosenzahlen vom Mai weisen auf einen weiteren Rückgang der Arbeitslosenzahlen hin. Doch der Arbeitsmarkt ist gespalten. Während inzwischen viele qualifizierte Arbeitslose einen Job finden, ist der Anteil der Langzeitarbeitslosen, die Grundsicherung nach Hartz IV erhalten an Rhein und Ruhr sogar gestiegen. Dennoch werden von der Bundesregierung Mittel für die aktive Beschäftigungsförderung massiv gekürzt. Die Auswirkungen in der Praxis zeigt eine aktuelle Befragung der Diakonie RWL.

Innerhalb eines Jahres ist die Zahl der verfügbaren Arbeitsgelegenheiten und der geförderten Arbeitsplätze für Langzeitarbeitslose in Einrichtungen der Diakonie in Rheinland, Westfalen und Lippe um mehr als ein Drittel zurückgegangen.

 

1-Euro-Jobs

In 46 Einrichtungen, die an der Befragung teilnahmen, waren am 1. April 2010 noch 6070 Menschen in einer Arbeitsgelegenheit in der Mehraufwandsvariante ("1-Euro-Jobs") beschäftigt. Am 01. April 2011 waren es nur noch 4026 Menschen. Dies entspricht einer Kürzung um durchschnittlich 34%.

 

Geförderte sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze

Arbeitsgelegenheiten in der Entgeldvariante
1. April 2010 / 1. April 2011

Geförderte sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze

Im Bereich der geförderten sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung ("Arbeitsgelegenheiten in der Entgeltvariante") waren in den befragten Einrichtungen am 1. April 2010 noch 347 Menschen beschäftigt. Ein Jahr später waren es nur noch 198 Menschen. Dies entspricht einer durchschnittlichen Kürzung um 43%.

 

Arbeitsplätze im Programm "JobPerspektive"

Bei geförderten Arbeitsplätzen im Rahmen des Programms "JobPerspektive" fiel die Zahl der Plätze von 644 (2010) auf 387 (1. April 2011). Dies entspricht einer durchschnittlichen Kürzung um 40%.

 

Chancen auf Teilhabe gesunken

Geförderte Arbeitsplätze im Programm "JobPerspektiven"

1. April 2010 / 1. April 2011

"Auf diese Weise wird Menschen, die seit über einem Jahr arbeitslos sind und gesundheitliche Einschränken oder andere Vermittlungshemmnisse wie eine fehlende Qualifikation oder ein zu hohes Alter aufweisen, die Chance auf einen Arbeitsplatz und damit auf Teilhabe genommen", so Nikolaus Immer, Geschäftsbereichsleiter für Soziales und Integration in der Diakonie RWL. Es sei nicht hinnehmbar, dass eine große Gruppe von langzeitarbeitslosen Menschen, die arbeiten wollen, durch die aktuellen Sparpläne der Bundesregierung dauerhaft aus dem Erwerbsleben ausgeschlossen werden.Statt Menschen in die Beschäftigungslosigkeit zurückfallen zu lassen und Arbeitslosigkeit zu alimentieren, sollten über öffentlich geförderte Beschäftigung mehr Erwerbsarbeitsplätze für langzeitarbeitslose Menschen geschaffen werden.

"Mit dem Abbau von Beschäftigungszuschuss und Arbeitsgelegenheiten geht auch ein Abbau sozialer Leistungen einher", so Nikolaus Immer weiter. Als Beispiele nennt er die Mitarbeit bei den Tafeln, die Zubereitung eines gesunden Frühstücks in Kindertagesstätten und Schulen oder Begleitdienste für ältere Menschen. "Diese sozialen Angebote können nicht auf andere Weise finanziert werden und stehen den Menschen beim Wegfall der beschäftigungsschaffenden Maßnahmen nicht mehr zur Verfügung", so Immer.  

"Wir werden diese Befragung in regelmäßigen Abständen wiederholen", kündigt die Geschäftsführerin des Fachverbands, Ursula Gröning, an. Damit sollen die Auswirkungen der geplanten weiteren Kürzungen in der Praxis weiter dokumentiert werden. Der Fachverband "FABI" hat sich erst kürzlich mit einem Positionspapier gegen "den Kahlschlag in der aktiven Arbeitslosenförderung" gewandt und Vorschläge für eine "gerechte Teilhabe aller an Erwerbsarbeit" vorgelegt.

 

Materialien und Dokumente

FABI-Positionspapier vom Mai 2011
Positionspapier gegen Kahlschlag in der Arbeitslosenförderung
Modell "Passiv-Aktiv-Transfer (PAT)"
Zur Finanzierung öffentlich geförderter Beschäftigung hat die Diakonie das Modell des Passiv-Aktiv-Transfers (PAT) entwickelt. Im Rahmen des PAT werden die finanziellen Mittel, die in den Haushalten der Grundsicherungsträger für Arbeitslosengeld II-Empfänger vorgesehen sind, in Mittel zur aktiven Unterstützung für erwerbslose Menschen umgewandelt.
Modell "Passiv-Aktiv-Transfer (PAT)"

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