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Archiv 2011

25. Juli 2011

Nur im Doppelpass erfolgreich

Diakonie-Einrichtungen und Maßregelvollzugskliniken diskutieren Grundlagen für Forensik-Nachsorge

Uwe Dönisch-Seidel, Landesbeauftragter für den Maßregelvollzug in NRW

Uwe Dönisch-Seidel. Landesbeauftrgter für den Maßregelvollzug in NRW, beim Vortrag in Dortmund

Der Doppelpass zwischen Maßregelkliniken und den so genannten Komplementäreinrichtungen ist besonders geeignet für eine gelingende Forensik-Nachsorge. Diese Überzeugung brachte der fußballbegeisterte Uwe Dönisch-Seidel bei seinem Vortrag "Die forensische Nachsorge in NRW" zum Ausdruck. Seit 2000 ist Dönisch-Seidel Landesbeauftragter für den Maßregelvollzug NRW. Die Effektivität der Nachsorge habe sich in Nordrhein-Westfalen nachhaltig verbessert. Hatte man im Jahr 2005 noch 234 Nachsorgepatienten, waren es 2010 bereits 667. Dies bedeute zwar eine Kostensteigerung, das Geld sei aber "nachweislich gut angelegt", sagte Dönisch-Seidel. Es sei erkennbar, dass Nachsorge besonders wirksam ist, wenn sie vor Ort koordiniert werde. Bei allen Fortschritten bleibe es weiterhin eine wesentliche Herausforderung in der Forensik, die Verweildauer der Patienten zu senken und Rückfälle zu vermeiden.

Dr. Dieter Seifert beim Vortrag

Prof. Dr. med Dieter Seifert ist Ärztlicher Direktor der Christophorus Klinik in Münster-Amelsbüren

Ambulante Nachsorge verringert die Deliktrückfälligkeit

Prof. Dieter Seifert, Ärztlicher Direktor der Christophorus Klinik in Münster-Amelsbüren, stellte die Ergebnisse einer Ambulanz-Studie vor, für die am Institut für Forensische Psychiatrie der Universität Duisburg-Essen in den Jahren 2002 bis 2006 Daten erhoben bzw. ausgewertet wurden.

Als Zwischenfazit formulierte Prof. Seifert, ambulante Nachsorge verringere die Deliktrückfälligkeit entlassener forensischer Patienten. Dabei wurde in der Studie auch deutlich, dass so genannte Hochrisikogruppen von Maßregelpatienten in den Nachsorgeeinrichtungen eher nicht versorgt werden.

Seifert schloss seine sehr differenzierten Schlussfolgerungen zu "Bedingungen für eine erfolgreiche forensische Nachsorge", zu denen er u. a. "zumindest anfangs Entlassung in strukturierte Nachsorgeeinrichtungen" sowie "regelmäßige und über lange Zeit Vernetzung der am Nachsorgeprozess Beteiligten („Helferrunden“)" zählte, mit einem Zitat von Prof. Dr. H. Schüler-Springorum: „Der soziale Empfangsraum stellt die Modelliermasse dar, um aus einer schlechten Sozialprognose eine gute zu machen, aus einer nicht verantwortbaren Entlassung eine verantwortbare.“

Podium bei der Diskussion

Von links nach rechts: Josef Berg, Bedburg Hau; Doris Dewald, Eickelborn; Ute Franz, Wilfried-Rasch-Klinik; Moderator Volker König von der Diakonie RWL

Kommunikation verbessern

Die etwa 70 Vertreterinnen und Vertrerter von diakonischen Einrichtungen nutzten intensiv das Gespräch mit Vertreterinnen und Vertretern Forensischer Kliniken. Einig waren sich beide am Nachsorgeprozess Beteiligten, dass die Kommunikation untereinander zum Wohle der Patienten noch verbessert werden könnte. Spezifische Fortbildungen und Hospitationen seien hierfür geeignete Wege. In einigen Regionen sei dies auch schon beispielhaft entwickelt.

Nachsorgepatienten kommen in Diakonieeinrichtungen nicht an

Einige Diakonische Einrichtungen bemängelten, dass die Dienste, die sie seit einigen Jahren für eine qualifizierte Nachsorge von Forensik-Patienten aufgebaut hätten, zu wenig nachgefragt würden. Man habe sich auf Anfragen seitens der Politik eingelassen, entsprechende Plätze geschaffen und Mitarbeitende qualifiziert. Es würde eine ständig wachsende Zahl von Nachsorgepatienten statistisch ausgewiesen, aber in den Einrichtungen kämen diese nicht an.

Weiter diskutiert wurde etwa die Situation drogenabhäniger Frauen sowie Fragen der Zusammenarbeit am Ort zwischen Klinik, Komplementäreinrichtung und niedergelassenen Ärzten.

Am Nachmittag schloss der Fachtag mit vier Arbeitsgruppen zu Fragen der Mitarbeitenden-Fortbildung, der Konzeptentwicklung und der Kooperation.

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