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Archiv 2011

6. Juli 2011

Menschen mit und ohne Behinderung im Quartier

Arbeitskreis Gemeinde und Diakonie thematisiert den "Lebensort Gemeinde" unter dem Aspekt der Inklusion

Pfarrerin Sabine Ahrens vom Pädagogisch-Theologischen Institut in Bonn.

"Inklusion ist eine zutiefst christlich-diakonisch begründete Haltung. In ihrem Kern geht es um eine umfassende Begegnung von Menschen, die sowohl eine Herausforderung als auch einen großen Reichtum bedeuten." Im Dialog entwickelten Pfarrerin Sabine Ahrens vom Pädagogisch-Theologischen Institut der Evangelischen Kirche im Rheinland und Olaf Maas, Geschäftsbereichsleiter in der Diakonie RWL, vor dem Arbeitskreis Gemeinde und Diakonie wesentliche Einsichten und Schlüsselsätze zum Thema Inklusion.

 

Sie führten aus, dass eine inklusive Haltung nicht nur auf Menschen mit einer Behinderung ziele. Vielmehr spreche sie alle Menschen an, die sich aufgrund irgendeines Merkmals ausgeschlossen fühlen oder ausgeschlossen werden. Inklusion bezeichne einen sozialen und gesellschaftlichen Prozess und eine Herausforderung an alle. Inklusion bedeute, so die Experten, den unterschiedlichen Bedürfnissen der Menschen gerecht zu werden. Ansonsten sei keine echte Teilhabe möglich. An vielen Stellen erlebten Gemeinden, dass große diakonische Träger, insbesondere im Bereich der Behindertenhilfe, im Rahmen von Dezentralisierung die stationären Einrichtungen zu Gunsten von stadtteilnahen Wohngruppen auflösten. "Dezentralisierung allein bedeutet aber noch keine Inklusion.", so Olaf Maas. Vielmehr müsse Inklusion als Haltung  in jeder Gemeinde erarbeitet werden. Im Gespräch wurde deutlich, dass ein gut organisiertes Gespräch zwischen Einrichtungen und Gemeinden noch längst nicht überall Standard ist, aber dringend angestrebt werden sollte.

Olaf Maas, Geschäftsbereichsleiter Pflege-, Alten- und Behindertenarbeit.

 

Als Tipps für die Praxis in den Gemeinden und Kirchenkreisen beschrieben die beiden Experten einige "Schritte zu einer inkludierenden Haltung":

  • Begegnung zulassen, Begegnung stiften, Begegnungsräume einrichten.
  • Anknüpfungspunkte in der Gemeinde suchen, etwa gemeinsam mit dem Rollstuhl fahrende Presbyter.
  • Wahrnehmen lernen: Können etwa am Gottesdienst auch gehörlose Menschen oder blinde Menschen ohne Probleme teilnehmen?
  • Die Grundlagen, gerade in der Gemeinde eine umfassende Haltung zu entwickeln, sind günstig. Die Gemeinde bietet Räume, lebt Freiheit und umfasst viele engagierte Menschen.
  • Keyworker suchen: Wer kann Dialoge zu anderen Gruppen eröffnen? Etwa der Angehörige einer Selbsthilfegruppe in der Gemeinde, die Eltern eines Kindes mit Behinderung, die allein erziehende Mutter, der allein erziehende Vater, die neu zugezogene junge Frau mit Migrationshintergrund etc.
  • Räume der Begegnung anbieten wie etwa einen Gesprächsabend.
  • Anreize schaffen, um das Thema zu bewegen, etwa durch kleine Projekte oder über finanzielle Anreize.
  • Mir bewusst machen, wo ich ausgrenze, etwa durch Sprache. Wie kann ich ohne Sprache, mit anderen Medien, Kirche transportieren und erlebbar machen?
  • Tandemarbeitsplätze in der Gemeinde entwickeln, etwa die Assistenz des Küsters.
  • Die spirituelle Begleitung von Menschen mit Behinderung nicht aus dem Blick verlieren.
  • So wenig wie möglich Hierarchien aufbauen. Statt dessen versuchen, Milieus zu überschreiten durch Begegnung, gemeinsames Feiern, Gespräche, gemeinsame Projekte.

Das Pädagogisch-Theologische Institut der Evangelischen Kirche im Rheinland mit Sitz in Bonn erarbeitet derzeit eine Checkliste mit hilfreichen Fragen zur Entwicklung einer inkludierenden Haltung, die voraussichtlich im Herbst erscheinen wird.

Gruppenbild

Teilnehmende des Arbeitskreises "Kirche und Diakonie"
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Der Arbeitskreis „Gemeinde und Diakonie“ in der Diakonie RWL beschäftigt sich mit der Stärkung und Entwicklung des diakonischen Profils in Einrichtungen und Gemeinden und der gemeindlichen Verortung diakonischer Angebote. Mit jeweils einem Schwerpunktthema beschäftigt sich der Arbeitskreis in zumeist zwei Tagungen pro Jahr.

 

 

 

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