16. März 2011
Keine Zurschaustellung des Fixerelends
RTL Explosiv berichtet über die Krisenhilfe Bochum

Urs Koethner von der Krisenhilfe Bochum im Interview mit RTL-Explosiv
Im Dezember 2010 berichtete RTL Explosiv über die Arbeit der Krisenhilfe e.V. Bochum. Einen Tag lang begleitete das RTL-Team den Suchttherapeuten Urs Koethner und berichtete über das Schicksal dreier Konsumenten. Silvia Wilske, fachliche Leiterin der Krisenhilfe, erzählte in einem Interview, wie es zu dem Beitrag kam und was sie sich davon erhofft.
Den Bericht der Bundesregierung zum Bundesdrogenbericht nahm RTL Explosiv zum Anlass einen Beitrag über eine Hilfseinrichtung für Drogenabhängige zu drehen, berichtet Frau Wilske. Zunächst hatte die Diplom-Sozialarbeiterin bedenken, ob sie es schaffen würden einen informativen Beitrag zu gestalten und nicht nur eine weitere Zurschaustellung des „Fixerelends auf den Straßen“. Sorgen, dass die Klienten der Krisenhilfe „als übliches Abschreckungspotential bloßgestellt werden“ erschwerten ihr die Entscheidung zum Dreh und zur Zusammenarbeit mit dem Privatsender. Ausschlaggebend für ihre Zusage war jedoch die Reichweite des Boulevardmagazins, denn RTL sei ein Sender, „der unglaublich viele Menschen erreicht die eben nicht der Fachwelt oder der gut gebildeten bürgerlichen Schicht angehören“ sagte Frau Wilske und genau diese Zuschauer wolle die Krisenhilfe erreichen und über ihre Arbeit informieren.
Zusammenarbeit mit dem Privatsender – Der Weg zum Dreh
In einer zweimonatigen Vorbereitungszeit entwickelte die Leitung der Krisenhilfe zusammen mit dem Privatsender das Konzept für den Beitrag. In intensiven Gesprächen und Verhandlungen erarbeiteten sie einen Bericht, der für beide Seiten akzeptabel und gewinnbringend ist. „Die Journalisten waren sehr interessiert, sehr verbindlich, rücksichtsvoll und unkompliziert“ berichtete Frau Wilske, dennoch gab es auch Konfliktpunkte, in denen die RTL-Redaktion nicht verhandlungsbereit war. So wollten sie nur einen Mitarbeiter einen Tag lang begleiten. Dies jedoch verzerre die Wirklichkeit, so Wilke, denn die Arbeit wird im Team geleistet und nicht von einem einzelnen Mitarbeiter getragen.
Krisenhilfe zieht ein positives Resümee
Silvia Wilske zeigt sich mit dem Ergebnis zufrieden. „Der Film gibt einen guten Einblick in den Arbeitsalltag einer niedrigschwelligen Einrichtung und auch die Klientenprofile sind ok, so sehen das auch die Teilnehmer“ sagte sie, bedauerte aber, dass ihre weiterführenden Angebote weggekürzt werden mussten. Dennoch liefere der Beitrag wichtige Informationen und Aufklärung über die Arbeit im Drogenkonsumraum und Kontaktcafé.
Das ganze Interview mit Silvia Wilske lesen: Diakonische Themen im Privatfernsehen
Die Krisenhilfe entdeckt YouTube als „Werbeportal“
Die Krisenhilfe e.V. Bochum für Jugend- und Drogenberatung ist im Medienzeitalter angekommen. Auf dem Internet-Videoportal YouTube präsentiert sie sich durch einen eigenen Kanal. In einem selbstgedrehten Video über die Beratungsstelle für synthetische Drogen und Cannabis „inEchtzeit“ stellen sie sich und ihre Arbeit vor. Mit schnellen Schnitten, lebhafter Kameraführung und musikalisch unterlegten Bildern trifft das Video der Krisenhilfe den Zeitgeist und gibt einen Einblick in die Arbeit der Suchtberatung. Ausschnitte aus dem Alltag der Suchtberatung zeigen die Methoden und Techniken der Beratung. Eine Gruppe Jugendlicher nimmt an dem Programm von „inEchtzeit“ teil und erlangt aktiv und spielerisch Wissen zum Thema Drogen und Drogenkonsum. Aufklärung und Vorträge mittels Mindmap gehören ebenso zum Kursprogramm, wie ein Hindernis-Parcours mit Spiegelbrille, die dem Träger den Blick eines Betrunkenen vorspielt, und ein Quiz über Drogen, deren Substanzen oder Szenesprache. Auf verschiedenste Weisen werden betroffene und nicht-betroffene Jugendliche in die Thematik eingeführt. Sie lernen konstruktiv mit Sucht umzugehen, erfahren Wege zur Frühintervention und werden umfassend beraten.
Die Krisenhilfe hofft über die neuen Medienkanäle Betroffene und ihren Familien zu erreichen, ihnen ihre Arbeit näher zubringen und ihnen einen Anstoß zu geben sich helfen zu lassen. Die mediale Präsenz der Krisenhilfe Bochum ist ein weiterer Schritt Betroffene, Angehörige und Interessierte aufzuklären.
