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Archiv 2011

26. Mai 2011

Neue Lieder, eindeutige Worte, Dank an Pfarrer Humrich

Die Mitgliederversammlung des Diakonischen Werkes im Rheinland tagte in Duisburg

Aus 250 Einrichtungen waren Trägervertreter zur Mitgliederversammlung des Diakonischen Werkes im Rheinland nach Duisburg gekommen. Auf der Tagesordnung standen Informationen zur Strukturentwicklung der Diakonie RWL, zur Entwicklung eines neuen Mitgliedsbeitragssystems sowie einige Beschlüsse zur Änderung der Satzung des Werkes. In seinem Bericht des Vorstandes ermutigte Dr. Uwe Becker die Delegierten zu eindeutigen Worten und einer klaren Haltung. Pfarrer Dietrich Humrich leitete als Vorsitzender des Diakonischen Rates zum letzten Mal die Mitgliederversammlung. Er geht Ende des Jahres in Ruhestand.

Neue Lieder gegen unangenehm schräge Töne

Pfarrer Albrecht Bähr hält die Andacht bei der Mitgliederversammlung

Pfarrer Albrecht Bähr ist Landespfarrer des Diakonischen Werkes der Pfalz und Sprecher der Geschäftsführung der Arbeitsgemeinschaft der Diakonie in Rheinland-Pfalz.

Zu einem neuen Lied gegen die Leier des Alltäglichen rief Pfarrer Albrecht Bähr die Delgierten bei seiner Andacht zum Beginn der Mitgliederversammlung auf. Gegen die unangenehm schrägen Töne, die in der Gesellschaft etwa beim Thema Einbürgerung von Migrantinnen und Migranten zu hören seien, sollten Diakonie und Kirche vom Wochenspruch her eine neue Melodie des Lebens singen. "Wir sollten tonangebend sein für alle, die nur am Rande unserer Gesellschaft ihren Platz finden.", so Bähr weiter, "Töne der Sanftmut und Geduld für alle, die mit einer leistungsorientierten Gesellschaft nicht mithalten können." Eine Gemeinschaft, die gute Töne singe, wecke auch die Aufmerksamkeit von Außenstehenden.

 

Bericht des Vorstands von Pfarrer Prof. Dr. Uwe Becker

Pfarrer Prof. Dr. Uwe Becker beim Vortrag.

Pfarrer Prof. Dr. Uwe Becker beim Vortrag seines Vorstandsberichtes.

In seinem Vorstandsbericht zum abgelaufenen Berichtsjahr plädierte Pfarrer Prof. Dr. Uwe Becker - mit Bezug auf die Bergpredigt - für eine bescheidene Klarheit, ein schlichtes, aber eindeutiges Ja oder Nein. Statt einer Überfrachtung und allzu kühner theologischer Kommentierung sei in der Diakonie die eindeutige Tat gefordert, die eine eigene, plausible Sprache spreche.

 

 

Intensive Aussprache zum Vorstandsbericht

Intensive Aussprache zum Vorstandsbericht.

Der Dritte Weg - eindeutige Gestaltung statt theologischer Überhöhung

Eindeutigkeit forderte der Vorstandssprecher etwa im Hinblick auf den sogenannten Dritten Weg des kirchlichen Arbeitsrechts. Wer meine, sich einerseits der kirchlichen Zuordnung bedienen zu können, um dann andererseits nur halbherzig den Satzungspflichten des Diakonischen Werkes folgen zu wollen, begebe sich auf unstabliles diakonisches Terrain.

Denn das führe in der öffentlichen Diskussion auch dazu, dass der immer wieder kolportierte, wenn auch, so Becker, unhaltbare Vorwurf Nahrung erhalte, das Verfahren des Dritten Weges führe letztlich zu Arbeitsbedingungen, die gegenüber dem öffentlichen Tarif des TVöD qualitativ minderwertig seien. "Dies ist ebenso wenig haltbar wie die Behauptung, Kirche und Diakonie verschafften sich auf diese Weise Wettbewerbsvorteile gegenüber gewerblichen Trägern.", so Becker. Tatsächlich sei es so, dass die Kommunen ihre Angebote im Bereich der sozialen Dienstleistungen seit Jahren reduzierten, es selbst im Öffentlichen Dienst keinen einheitlichen Tarifvertrag bei Kommunen, Bund und Ländern mehr gebe und die Tarife in der Diakonie deutlich über denen der gewerblichen Träger lägen. Der betriebswirtschaftliche Druck, sich marktfähig in der Konkurrenz zu den gewerblichen Anbietern aufzustellen, werde fast allein durch die Personalsteuerung ausbalanciert und bringe die diakonischen Träger – das müsse man realistischerweise zugestehen – zunehmend in harte Auseinandersetzung mit den Kostenträgern, insbesondere im Bereich der Altenhilfe.

Im Hinblick auf die vom Landesarbeitsgericht Hamm in seinem Urteil vom 13. Januar 2011 eingeführte Unterscheidung zwischen verkündigungsnahen Tätigkeiten (etwa bei Ärztinnen und Ärzten, Pflegepersonal, Erzieherinnen) und „verkündigungsfernen Dienste“ sagte Becker, die eigene Praxis mancher diakonischer Träger werde "aus der Perspektive des Gerichts zur kritischen Plausibilitätslücke mit Blick auf eine stringent argumentative Verteidigung des Dritten Weges." Unabhängig davon, wie diese gerichtliche Einschätzung juristisch zu bewerten sei, treff sie doch ein Augenmerk der Öffentlichkeit, "das uns selbst befragt, für wie wichtig und diakonisch zentral wir Berufsträgerinnen und Berufsträger erachten, denen wir das kirchliche Arbeitsrecht entziehen und die wir faktisch aus der Dienstgemeinschaft ausgrenzen."
Besonders problematisch an dem Gerichtsurteil sei aus seiner Sicht die generalisierende Wirkung, das Streikverbot auch für jene Beschäftigten dieser vermeintlich verkündigungsfernen Dienste in Geltung zu setzen, die von Trägern bewusst nicht outgesourct würden. "Es gibt offenbar nur ´Ja´ oder ´Nein´, ein ´Jein´ macht angreifbar!"

 

Olaf Maas, Geschäftsbereichsleiter 2 Pflege, Alten- und Behindertenarbeit

Olaf Maas, 2. Geschäftsbereichsleiter Pflege, Alten- und Behindertenarbeit, verhandelt für die Diakonie mit den Landschaftsverbänden eine neue Rahmenzielvereinbarung bei der Eingliederungshilfe.


Eine diakonische Liebeserklärung

Dr. Becker erinnerte an seinen Bericht aus dem Jahr 2009. Er habe damals gesagt, im Blick auf die Annäherung der gliedkirchlichen Werke Rheinland, Westfalen und Lippe sei "das Wort ´Fusion´ einer Tabuisierung entzogen". Dies habe "nachdrücklich in der rheinischen Kirchenleitung für Gesprächsbedarf gesorgt".
Für ihn sei das Votum der Kirchenleitung "eher einer – wenn ich das einmal so sagen darf – konstruktiven und aufbauenden ´Liebeserklärung´ vergleichbar". Denn die entstandene Irritation könne man nur so verstehen, "dass der rheinischen Kirche unverzichtbar und leidenschaftlich daran gelegen ist, ihr Diakonisches Werk der Evangelischen Kirche im Rheinland nicht preiszugeben. Insofern ist dieses Votum nicht gegen den Verein Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe gerichtet, sondern spricht konstruktiv für die weitere Ausgestaltung dieses Vereins, aber eben unter der völlig legitimen und durchaus auch hilfreichen Berücksichtigung der Interessen der rheinischen Kirchenleitung." Manchmal, so Becker weiter, eröffneten klare Worte eben nur anfängliche Irritation und gingen dann in orientierende Wegweisung über.

Pfarrer Blank bei der Diskussion zum Vorstandsbericht

Pfarrer Udo Blank ist Leiter der Verbindungsstelle Saarland. Er ist Sprecher der Geschäftsführung des DW Saar und derzeit auch Sprecher der LIGA der Freien Wohhlfahrtspflege im Saarland.

In der Sache gehe es "um die stärkere Heranführung der rheinischen, aber auch der westfälischen und lippischen Mitglieder an das vitale strategische und operative Geschäft des Vereins Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe. Die Tatsache, dass nur das rheinische Werk Mitglied im Verein ist, nicht aber seine Mitglieder, ist schon oft als fragwürdiges Konstrukt bemängelt worden. Möglicherweise greifen hier die bisherigen Überlegungen einer Doppelmitgliedschaft aller Mitglieder der gliedkirchlichen Werke im Verein – wobei die Kompetenz zur Zuordnung als diakonische und damit kirchliche Einrichtung beim jeweiligen gliedkirchlichen Werk liegen sollte."

Perspektiven der Diakonie im gesellschaftlichen Wandel

Dr. Uwe Becker, Christian Carls und Dr. Annett Herrmann stellen den Bericht vor.

Dr. Uwe Becker, Christian Carls und Dr. Annett Herrmann führen in die "Perspektiven der Diakonie im gesellschaftlichen Wandel" ein.

Im Auftrag der Diakonischen Konferenz des Diakonischen Werkes der EKD hat Prof. Dr. Uwe Becker über zwei Jahre hinweg eine Expertisegruppe moderiert und geleitet, die zu den "Perspektiven der Diakonie im gesellschaftlichen Wandel" wesentliche Faktoren diskutiert und beschrieben sowie daraus folgende Optionen für die Diakonie benannt hat. Die Ergebnisse der Expertisegruppe sind im Neukirchener Verlag erschienen. Sie wurden bei der Diakonischen Konferenz im Frühjahr in Berlin vorgestellt und sollen, so die Vereinbarung der Diakonischen Konferenz, in den Landesverbänden intensiv diskutiert werden. Für September ist ein Online-Forum zu den einzelnen Themenblöcken geplant.

Christian Carls und Dr. Annett Herrmann führten die Mitgliederversammlung in wesentliche Themen des Buches ein. Es gab lebhafte Voten seitens der Delegierten. Die Diakonie RWL plant einen eigenen Diskussionsprozess.

Dr. Annett Herrmann beim Vortrag

Dr. Annett Herrmann, Sozialwissenschaftlerin, Referentin für Aus- und Fortbildung im Geschäftsbereich FABE, hat zusammen mit Christian Carls an der Endredaktion der "Perspektiven der Diakonie" mitgewirkt.

Christian Carls beim Vortrag

Christian Carls, Kommunikationswissenschaftler und Sozialpädagoge, Online-Redakteur und Internet-Koordinator in der Stabsstelle DPK. Er hatte die Geschäftsführung der Expertisegruppe und hat Dr. Becker gemeinsam mit Dr. Herrmann unterstützt bei der Endredaktion der "Perspektiven der Diakonie im gesellschaftlichen Wandel". Carls ist auch federführend bei der geplanten Online-Diskussion im Herbst zu den Perspektiven.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Auf der Internetseite der Diakonie RWL finden Sie weitere Informationen sowie den Volltext der "Perspektiven der Diakonie im gesellschaftlichen Wandel".

Informationen und Beschlüsse

Udo Meyer informiert die Mitgliederversammlung

Udo Meyer ist Geschäftsbereichsleiter Zentrale Dienste.

Im Hinblick auf die weitere Strukturentwicklungen des Vereins Diakonie RWL informierten Dr. Uwe Becker und Udo Meyer über den Beratungsstand. In Vorbereitung ist die Anpassung der Satzung der Diakonie RWL. Dabei greifen möglicherweise Überlegungen einer Doppelmitgliedschaft aller Mitglieder der gliedkirchlichen Werke im Verein Diakonie RWL e.V., so hatte Dr. Becker bereits im Vorstandsbericht ausgeführt. Damit verbunden sind dann auch notwendige Anpassungen der Mitgliedsbeiträge, ergänzte Meyer. Noch offen ist, wie Änderungen der Diakoniegesetze der Evangelischen Kirche im Rheinland und der Evangelischen Kirche von Westfalen in den Prozess eingespeist werden.

 

Amtszeit des Diakonischen Rates verlängert

Gabriele Fischmann-Schulz führt in Satzungsänderungen ein

Gabriele Fischmann-Schulz leitet die Stabsstelle Arbeitsrecht/Justitiariat.

Delegierte bei der Abstimmung

Delegierte bei der Abstimmung

Im Zusammenhang mit den geplanten Änderungen der Zuordnung der MItgliedschaft stehen auch die Überlegungen, die Amtszeit des derzeitigen Diakonischen Rates bis 2013 zu verlängern. Der seit 2006 im Amt befindliche Rat müsste im Jahr 2012 neu gewählt werden. Man wolle abwarten, ob die anstehenden Veränderungen auch Veränderungen der Satzungen der gliedkirchlichen Werke und damit für die Zusammensetzung des Diakonischen Rates mit sich bringen. Erst danach wolle man neu wählen. Dies sei auch gegenüber den Kandidatinnen und Kandidaten fair. Die müssten wissen worauf sie sich bei der Wahl einlassen, was eben derzeit noch nicht umfänglich fest stehe. Die Mitgliederversammlung folgte dem Antrag.

 

 

 

Dr. Katja Külper-Sörries trägt vor.

Dr. Katja Külper-Sörries ist Juristin. Sie ist auch für Satzungsfragen des Diakonischen Werkes im Rheinland zuständig.

Dr. Moritz Linzbach erläutert Satzungsfragen.

Dr. Moritz Linzbach ist Vorstand des Diakonischen Werkes im Rheinland und der Diakonie RWL. Er gab der Mitgliederversammlung weitere Erläuterungen zu den geplanten Neuordnungen von Satzung und Diakoniegesetzen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Dank an Pfarrer Dietrich Humrich

Adolf-Leopold Krebs, Vorstand der Diakonie Düsseldorf und Mitglied des Diakonischen Rates dankt Pfarrer Dietrich Humrich für sein Engagement für die Diakonie im Rheinland.

Pfarrer Dietrich Humrich, der zum Ende des Jahres aus seinem Hauptamt als Vorsitzender der Kreuznacher Diakonie ausscheidet und in den Ruhestand geht, verabschiedete sich von der Mitgliederversammlung:

"Wir haben im Diakonischen Governance Codex vereinbart, dass wir nach Ausscheiden aus dem aktiven Dienst auch die ehrenamtliche Mitgliedschaft im Diakonischen Rat beenden. Da ich Endes des Jahres in Bad Kreuznach ausscheide, war dies die letzte Mitgliederversammlung des Diakonischen Werkes im Rheinland, die ich geleitet habe.
Ich danke allen für das mit entgegengebrachte Wohlwollen und Vertrauen. Bauen sie weiter an der Diakonie."

Blumen für den scheidenden Vorsitzenden Pfarrer Dietrich Humrich

Blumen für den scheidenden Vorsitzenden Pfarrer Dietrich Humrich, der bis Ende des Jahres noch den Diakonischen Rat leiten wird.

Standing Ovations der Mitgliederversammlung für Dietrich Humrich

Die Mitgliederversammlung bedankte sich bei ihrem scheidenden Vorsitzenden mit Standing Ovations.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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