4. April 2011
Ich will arbeiten
Arbeitsmarktkampagne der Duisburger Kirche und ihrer Diakonie

Foto: Diakonie Duisburg
"Insbesondere diejenigen unter den Erwerbslosen, die Hartz IV beziehen, haben auf dem Arbeitsmarkt kaum eine Chance. Auf 15 Erwerbslose kommt in Duisburg eine freie Stelle. Der Zweite Arbeitsmarkt bricht zusammen, weil ihm die Politik das Geld entzieht. Menschen, die ohnehin keine richtige Arbeit finden, bekommen nicht mal mehr ein Beschäftigungsangebot." So kommentiert Stephan Kiepe-Fahrenholz, Leiter des Diakonischen Werkes, die Duisburger Situation folgendermaßen.
Der Evangelische Kirchenkreis und die Diakonie in Duisburg setzen sich mit der Kampagne „Ich will arbeiten“ für die ein, die keine Arbeit haben. Sie fordern einen sozialpolitischen Konsens: Neben dem Ziel, möglichst viele arbeitslose Menschen in den Ersten Arbeitsmarkt zu vermitteln, müsse in einer strukturschwachen Stadt wie Duisburg gleichwertig das Ziel stehen, die gesellschaftliche Teilhabe der nicht oder nicht sofort Vermittelbaren zu sichern. Duisburg brauche auf Dauer einen öffentlich geförderten Zweiten Arbeitsmarkt mit möglichst vielen sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnissen. Nur so könne man auf Dauer das Armutsrisiko nachhaltig verringern.
Hartz IV-Bezieher ohne Chance auf dem Arbeitsmarkt
Stephan Kiepe-Fahrenholz, Leiter des Diakonischen Werkes, beschreibt die Duisburger Situation folgendermaßen: „Insbesondere diejenigen unter den Erwerbslosen, die Hartz IV beziehen, haben auf dem Arbeitsmarkt kaum eine Chance. Auf 15 Erwerbslose kommt in Duisburg eine freie Stelle. Der Zweite Arbeitsmarkt bricht zusammen, weil ihm die Politik das Geld entzieht. Menschen, die ohnehin keine richtige Arbeit finden, bekommen nicht mal mehr ein Beschäftigungsangebot. Zudem gibt es für junge Menschen in Duisburg viel zu wenig Ausbildungsangebote.“
Lothar Wilhelms, Fachbereichsleiter Arbeit und Ausbildung im Duisburger Diakoniewerk ergänzt, dass sich seit 1984 auf dem Duisburg Arbeitsmarkt rein statistisch nicht viel weiterentwickelt habe, die Zahl liege immer um die 30 000. In Duisburg waren im letzten Monat 33 703 Personen ohne Beschäftigung.
Wir können uns einfach nicht damit abfinden.
„Wir können uns einfach nicht damit abfinden“, so Pfarrer Armin Schneider, Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Duisburg, „dass Menschen auf Dauer von der vollen Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen werden.“ Nach christlichem Verständnis gehöre es zur Würde des Menschen, dass er sich seinen Lebensunterhalt durch seiner Hände Arbeit verdienen kann.
Arbeit sei eben mehr als nur die Sicherung der materiellen Existenz, so Kiepe-Fahrenholz. Sie biete Teilhabe, Anerkennung und Selbstbewusstsein. Aus dem Arbeitsalltag, aus dem Bekanntenkreis oder aus eigener Erfahrung wisse man: „Arbeitslosigkeit ist nicht lustig. Niemand sucht dieses Schicksal freiwillig.“ Die Kampagne „Ich will arbeiten“ habe deshalb auch das Ziel, mit Vorurteilen aufzuräumen. Nicht zuletzt werde man, so Superintendent Schneider, auch die Kommunalpolitik immer wieder an ihre Verantwortung erinnern: „Denn das Arbeitsmarktthema ist ein sozialpolitisches Schlüsselthema, von dem letztlich auch die Handlungsfähigkeit der Kommune mit abhängt.“
Kampagne mit Vorträgen, Gottesdiensten und öffentlichen Aktionen
Die Kampagne „Ich will arbeiten“ wird von der Passionszeit 2011 bis zur Passionszeit 2012 durchgeführt. Während dieser Zeit werde es Diskussionsveranstaltungen, Vorträge, Gottesdienste und öffentliche Aktionen zum Thema geben. Vor allem aber solle es darum gehen, die Forderungen der Kampagne und die entscheidende Bedeutung der Arbeit für ein selbstbestimmtes Leben im Bewusstsein der Kirchengemeinden, der Beschäftigten der diakonischen Einrichtungen und der breiten Öffentlichkeit wach zu halten.