12. Mai 2011
Was geht mich Deine Armut an?
Plädoyer für eine biblisch begründete Kultur der Solidarität

Dr. Uwe Becker, Vorstand der Diakonie RWL, in der Saarbrücker Johanneskirche
Solidarität aus biblischer Perspektive verlangt das Streben nach der realen Verbesserung der Lebensverhältnisse der schwächsten Glieder einer Gesellschaft - so Dr. Uwe Becker, Vorstand der Diakonie RWL, bei einem Vortrag in der Saarbrücker Johanneskirche. Grundlage für Solidarität sei ein substanzieller Gerechtigkeitsbegriff, der über die pure Behauptung von Leistungs-, Befähigungs- oder Teilhabegerechtigkeit hinausgehe.
Becker stellte den nach seinen Worten "weichgespülten Gerechtigkeitsbegriffen" den Begriff der Verteilungsgerechtigkeit entgegen. Dieser werde offenbar deswegen so wenig geliebt, weil man ihn nicht umbiegen könne. "Es geht bei dem Thema ´Verteilungsgerechtigkeit´ tatsächlich um das, was ankommt bei den Betroffenen. Es geht tatsächlich um objektivierbare, materielle Verbesserung ihrer Lebenssituation", so Becker.
Er kritisierte, dass mit einer um die neuen Gerechtigkeitsbegriffe "aufgeblähten" politischen Rhetorik das eigentliche Beweislastverfahren ausbleibe, "nämlich zu prüfen, ob politische Instrumente auch zu mehr effektiver Teilhabe, zu mehr effektiv ergriffenen Chancen und zu mehr effektiv erreichten Leistungszugängen führen". Zu dieser Form symbolischer Politik passe "die inflationäre Verwendung von Solidarität als Teflonbegriff", der sich nicht selten gegen Menschen in Armut und Arbeitslosigkeit richte, etwa, wenn von Arbeitslosen mehr Anstrengung für das Gemeinwohl verlangt werde.
Materialien
- Der Vortrag im Volltext
- Was geht mich Deine Armut an? Plädoyer für eine Kultur der Solidarität
- Dossier zum Thema HartzIV und Beschäftigungsförderung
- HartzIV und Arbeitsmarktpolitik: Positionen, Analysen, Reportagen