6. Juni 2011
…da wird dein diakonisches Herz sein
Diakonie auf dem 33. Deutschen Evangelischen Kirchentag in Dresden

Mit einem Stand auf dem Markt der Möglichkeiten: Diakonissenschwesternschaft Bethesda aus Wuppertal
Beim Kirchentag in Dresden war neben dem überall präsenten Herz-Logo auch das Kronenkreuz der Diakonie stark vertreten. Neben dem zentralen Diakonie-Dorf auf dem Theaterplatz, waren auch Einrichtungen aus dem Gebiet der Diakonie RWL mit eigenen Ständen vertreten.
Hier ist dein Herz – so lautete das Motto des Diakonie-Quartiers mitten in der Dresdner Altstadt. Die 38 Pagoden waren Anziehungspunkt für die Besucher des Kirchentags und Touristen, die eigentlich die Semper-Oper besuchen wollten. Die ganze Vielfalt diakonischer Arbeit konnte man hier kennenlernen: Ob in der Villa herzlich Alt, im Herz-Zentrum Familie oder im herzhaften Lachen des Clowns Sacco.

Regelmäßiger Gast auf dem Kirchentag: der Evangelische Verein für Adoptions- und Pflegekindervermittlung, Düsseldorf
Lila Diakonie-Sofa
Auf dem „lila Sofa“ in der Diakonie-Lounge diskutierten prominente Vertreter aus Kirche, Diakonie, Politik und Gesellschaft über sozialpolitisch und gesellschaftlich brisante Themen. Zum Beispiel der Beauftragte der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderung, Hubert Hüppe. Er appellierte in einem Gespräch über Inklusive Bildung an die Kultusminister der Länder: „Macht Eure Schulen auf für Kinder mit Behinderung! Die Spaltung muss endlich aufhören!“

Der Stand der Stiftung Wittekindshof aus Bad Oeynhausen
Dialog zwischen Diakonie und ver.di
Der Kirchentag in Dresden war nicht nur Schauplatz diakonischer Vielfalt, sondern bot auch Raum für Diskurs und Dialog. Speziell das Thema Diakonie und Kirche als Arbeitgeber wurde an einigen Stellen hitzig diskutiert. Für einen Tarifvertrag „Soziales“ hat sich Frank Bsirske, Vorsitzender der Gewerkschaft ver.di, ausgesprochen: „Ein solcher Tarifvertrag könnte einheitliche Bedingungen für Pflegekräfte schaffen, Standards setzen und die Abwärtsspirale im Pflegebereich stoppen.“

Der Neukirchener Erziehungsverein hatte eine Schatzinsel aufgebaut.
Diakonie-Präsident Johannes Stockmeier wich dieser Forderung aus: Die Löhne bei der Diakonie regele der AVR, allerdings sei es „ein Verhängnis“, dass es Regionen in Deutschland gebe, wo diakonische Verbände aufgrund des starken Wettbewerbs ihre Löhne „nach unten angleichen“. Er mahnte die Bundesregierung, sich der Hauptprobleme im Pflegebereich anzunehmen: demografische Entwicklung, Fachkräftemangel und die Frage der Ausbildungsrefinanzierung. Beide wünschten sich mehr Dialog statt Konfrontation: „Es gibt große Gemeinsamkeiten zwischen ver.di und Diakonie, wenn wir auf die nötigen Lösungen schauen“, so Bsirske.

Georg Scheffler-Bongässer verschenkte blumige Grüße der Kreuznacher Diakonie.
Welche Diakonie brauchen wir?
Die Vizepräsidentin des Diakonischen Werkes der EKD, Pfarrerin Cornelia Füllkrug-Weitzel, fragte zusammen mit Wolfgang Gern, Chef der Diakonie in Hessen und Nassau: Welche Diakone brauchen wir? Die Vizepräsidentin betonte, dass die Diakonie die Menschen mobilisieren und motivieren soll. Es gehe darum, die Selbsthilfekräfte in der Gemeinde zu stärken. Durch die Arbeit der Diakonie müssten die Menschen befähigt werden, ihre eigenen Probleme zu lösen. Angesichts der Veränderungen in der Gesellschaft mit immer mehr prekären Arbeitsverhältnissen sieht Wolfgang Gern eine wachsende Gefahr der Verarmung vor allem von Familien mit mehreren Kindern. Die soziale Absicherung ist seiner Ansicht nach nicht mehr gewährleistet. Für Gern gibt es die soziale Marktwirtschaft nicht mehr. Dies stelle neue Herausforderungen für die Diakonie und ihre Position in der Gesellschaft dar.

Auch die Evangelische Stiftung Volmarstein aus Wetter warb für sich auf dem Markt der Möglichkeiten.
Aus RWL auch dabei
Zahlreiche diakonische Einrichtungen aus Rheinland, Westfalen und Lippe präsentierten sich auf dem Markt der Möglichkeiten. Hier kamen sie mit den Kirchentagsbesuchern ins Gespräch, konnten Kontakte zu Freunden und Förderern knüpfen oder für soziale Themen sensibilisieren. Mit teilweise hohem personellem und finanziellen Aufwand und origineller Standgestaltung machten sie auf sich aufmerksam. Ein Einsatz, der sich aber lohnt, meinte der Pressesprecher des Neukirchener Erziehungsvereins, Ulrich Schäfer: „Wir hatten viele tolle Gespräche mit interessierten Besuchern. Sowohl für unseren Verlag als auch den Erziehungsverein ist der Kirchentag eine wichtige Präsentationsplattform.“ Erfreut über die Resonanz war auch Georg Scheffler-Borngässer, Pressesprecher der Kreuznacher Diakonie: „Unser Stand entwickelte sich auch zu einem Treffpunkt für unsere Mitarbeiter und Ehemaligen auf dem Kirchentag. Und wir konnten mit vielen Leuten aus unserer Region Kontakte knüpfen, die zuhause nie auf die Idee kämen, mal bei der Diakonie vorbeizuschauen.“