30. November 2011
"Dienstgemeinschaft ist mehr als der Dritte Weg"
Mitarbeitende der Diakonie RWL diskutieren mit Prof. Dr. Dieter Beese

Prof. Dr. Dieter Beese mit dem Moderationsteam: Barbara Montag und Reinhard van Spankeren
Im Rahmen eines "Studientages Diakonisches Profil" diskutierten Mitarbeitende der Diakonie RWL mit Superintendent Prof. Dr. Dieter Beese Fragen des kirchlich-diakonischen Selbstverständnisses. Zentraler Begriff war dabei der Dritte Weg, und zwar als Ausdruck kirchlicher Dienstgemeinschaft. Dabei greife die Fokussierung in der öffentlichen Debatte insbesondere auf das Streikrecht zu kurz, sagte Beese. Öffentlich sei zu klären, ob das Selbstbestimmungsrecht der Kirchen weiterhin in dem Umfang anerkannt bleibe wie bisher. Nach innen müsse diskutiert werden, inwieweit theologische Diskurse handlungsleitend für Kirche und Diakonie in ihrem Verhalten sein sollten.
Die Rede von der Dienstgemeinschaft zielt nach Beese in die Mitte evangelischen Selbstverständnisses: Auf den Zuspruch, dass "Gott den Menschen ohne Ansehen der Person allein aus Gnade gerecht spricht und zum Zeugnis des Evangeliums in Wort und Tat beruft." So entstehe das Priestertum aller Gläubigen. "Jeder, der getauft ist, steht aufgrund des Zuspruchs und des Anspruchs des Evangeliums auch in einer Gemeinschaft des Dienstes." Von hierher leitete Beese ein theologisches Verständnis des geschichtlich unterschiedlich aufgeladenen Begriff der Dienstgemeinschaft ab.
Der Dritte Weg, so Beese, sei im Rahmen dieses Verständnisses eine Option für die konkrete Gestaltung von Dienstgemeinschaft. "Der Dritte Weg ist nicht alternativlos, aber als Ausdruck evangelischen Selbstverständnisses angemessen", erklärte Beese. Dabei gelte die Reihenfolge: "Die Dienstgemeinschaft besteht auch ohne den Dritten Weg. Der Dritte Weg besteht jedoch nicht ohne die Dienstgemeinschaft."
Mit Hinweis auf die Kundgebung der EKD-Synode 2011 plädierte Beese, dass der Dritte Weg als Ausdruck der Dienstgemeinschaft unter dem Vorbehalt der ständigen Verbesserungsfähigkeit stehen müsse: "Ein innerkirchlicher, theologisch orientierter Diskurs über den Dritten Weg ist notwendig kritisch und änderungsorientiert."
Am Ende, so Superintenden Beese, würden über die inner- und außerkirchliche Zustimmungsfähigkeit des Dritten Weges nicht nur die Gerichte, sondern auch seine konkrete Ausgestaltung entscheiden.
Kontakt bei der Diakonie RWL: Barbara Montag, Telefon: 0211 6398-268, b.montag@diakonie-rwl.de
Materialien
Weitere Informationen
- Forderungen der EKD-Synode 2011
- Kundgebung: Zehn Forderungen zur solidarischen Ausgestaltung des kirchlichen Arbeitsrechts
- Bericht von der EKD-Synode 2011
- RWL-Vorstand Prof. Dr. Uwe Becker wirbt für die Verabschiedung des EKD-Arbeitsrechtsregelungsgrundsätzegesetzes: "Der Dritte Weg ist nicht das einzig Heilige, aber das theologisch Angemessenere"
- Dossier
- Dossier zu Arbeitsrechtsregelungen und Dritten Weg
