20. Oktober 2011
Förderschulen auf dem Weg der Inklusion
Herbstversammlung des Fachverbandes Schulen mit sonderpädagogischer Förderung

v. l. n. r.: Heinz-Herbert Hoppmann, Vorsitzender des Ev. Fachverbandes für Schulen mit sonderpädagogischer Förderung, Barbara Manschmidt, Geschäftsführerin des Stiftungsbereichs Schulen der v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel, Prof. Dr. Clemens Hillenbrand, Ossietzky-Universität Oldenburg
Foto: Pressestelle Bethel
Auf der Herbstversammlung des Evangelischen Fachverbandes „Schulen mit sonderpädagogischer Förderung“ hat Professor Dr. Clemens Hillenbrand, Uni Oldenburg, vor mehr als 30 diakonischen Schulvertretern einen auf empirischen Untersuchungen basierenden Vortrag zum Thema „… auf dem Weg der Inklusion“ gehalten. Dabei zeigte er auch Perspektiven der Förderschulen im Inklusionsprozess auf.
So gibt es zum Beispiel in Finnland, das sich in internationalen Vergleichen schulisch hervorragend darstellt, ebenfalls „special schools“ für Schüler und Schülerinnen mit Behinderungen, die jedoch von nur drei Prozent aller Kinder und Jugendlichen besucht werden. Über 20 Prozent aller Schüler und Schülerinnen erhalten dort hingegen stundenweise Förderung in Allgemeinschulen. Besonders hoch im Vergleich zu Deutschland ist auch die Förderung von Kindern mit Behinderungen in Spezialklassen in der Allgemeinen Schule. In dieser Form werden acht Prozent aller Schüler und Schülerinnen unterrichtet.
Gründlich durchdachter Umbau
Prof. Dr. Hillenbrand sprach sich für einen langsamen, gründlich durchdachten Umbau des Förderschulsystems aus: „Wir brauchen eine evidenzbasierte sonderpädagogische Förderung auf der Basis einer wissenschaftlich fundierten diagnostischen Strategie“. Regelmäßiger Förderort müsse die Allgemeine Schule sein, daraus folge aber nicht notwendigerweise die Abschaffung der Förderschulen. Zu dieser Thematik gehöre auch, dass zumindest für die Zeit des Umbaus den Eltern ein Wahlrecht bezüglich des Förderortes zugestanden wird, damit diese die für ihr Kind beste Schule wählen können.
Prof. Dr. Hillenbrand zeigte auch die Klippen einer inklusiven Beschulung auf. Studien aus den USA belegten, dass verhaltensschwierige Schüler in einem inklusiven System die höchste „Drop-out-Rate“ zeigten - bis zu 61 Prozent würden die Schule ohne Abschluss verlassen. Auf diese Schüler müsse daher bei dem Umbau ein besonderes Augenmerk gelegt werden, damit sie nicht verloren gingen.
Abschließend belegte der Experte, dass in Deutschland im Übergang von der Schule zum Beruf hervorragende Arbeit geleistet würde. In Finnland beispielsweise, mit seinem herausragenden Bildungssystem, würde im Übergang Schule/Beruf eine fast dramatische Selektion stattfinden. „Behalten Sie diesen Übergang im Blick“, gab der Oldenburger Wissenschaftler den Schulleitern mit auf den Heimweg.
Der Evangelische Fachverband für Schulen mit sonderpädagogischer Förderung der Diakonie RWL wurde am 16. April 2010 gegründet. Der Zusammenschluss vertritt die Interessen von mehr als 20 Schulträgern mit 30 Schulen aus dem Gebiet der drei Landeskirchen.