12. September 2011
Gewalt in der Heimerziehung der 50er und 60er Jahre
EKD und Diakonie bitten ehemalige Heimkinder um Verzeihung

Johannes Stockmeier und Nikolaus Schneider
Die Evangelische Kirche in Deutschland und die Diakonie bitten Betroffene der Heimerziehung der 1950er und 60er Jahre für das in evangelischen Heimen erfahrene Leid um Verzeihung. In einer gemeinsamen Erklärung bekannten sich der Vorsitzende des Rates der EKD, Präses Nikolaus Schneider, und der Präsident des Diakonischen Werkes der EKD, Oberkirchenrat Johannes Stockmeier, zum Versagen der evangelischen Heimerziehung in den Nachkriegsjahren. Maria Loheide, Geschäftsbereichsleitung für Familie, Bildung und Erziehung in der Diakonie RWL, sieht in der Erklärung einen wichtigen Meilenstein im Umgang mit dem Leid, das Heimkindern zugefügt wurde.

Maria Loheide
"Damit sind für mich zwei für die Aufarbeitung entscheidende Aspekte erfüllt und mir persönlich ‚zwei Steine vom Herzen gefallen´ ", so Maria Loheide, die sich seit drei Jahren intensiv für die Aufarbeitung der Geschichte der Heime der 1950er und 60er Jahre engagiert. "Zunächst wurden die Lösungsvorschläge des Runden Tisches Heimerziehung der 50er und 60er Jahre von allen Ländern akzeptiert und damit ist der Weg für die Umsetzung frei. Das war ein erstes positives Zeichen. Die Bitte um Verzeihung durch das höchste Organ der Evangelischen Kirche und Diakonie ist das zweite wichtige Zeichen, auf das viele Betroffene dringend gewartet haben."
Die Evangelische Kirche und die Diakonie hatten seit langem erklärt, sich an dem Fonds für eine angemessene Hilfe und materielle Unterstützung der Opfer zu beteiligen. Dazu Maria Loheide: "Eine Wiedergutmachung kann damit nicht erreicht werden. Der Fonds kann nur in einem begrenzten Rahmen die Lebenssituation Betroffener heute vielleicht etwas verbessern".
"Viele Betroffene, auch aus Einrichtungen der Mitgliedschaft der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe, haben sehr auf diese offizielle Bitte um Verzeihung gewartet", so Loheide. Sehr wichtig seien auch die persönlichen Begegnungen zwischen Betroffenen und heute Verantwortlichen der Träger und Einrichtungen. "Diese Gespräche und viele weitere Begegnungen vor Ort in den Einrichtungen und dort, wo die Menschen leben, müssen fortgesetzt werden. Die Diakonie RWL wird sich auch weiterhin für Betroffene mit Ansprechpersonen zur Verfügung stellen und diese Prozesse intensiv begleiten."
Foto von Nikolaus Schneider: Sandra Stein / evangelisch.de / ekir.de