Sie sind hier: Start >

Aktuelles

>

Meldungen

1. Advent 2011

"Der Adventskranz: Eine Erfindung der Diakonie"

Hoffnungslichter für Kinder in Armut in Attendorn, Berlin, Klagenfurt und Wien

Er ist ein Zeichen der Hoffnung und ein Symbol für Geborgenheit in der Familie: Der Adventskranz. Der Ursprung des Adventskranzes ist darüber lange in Vergessenheit geraten: Es waren verarmte Kinder aus den wachsenden Armenvierteln in Hamburg, denen ein Gründervater der modernen Diakonie, Johann Hinrich Wichern, mit abgezählten Kerzen die verbleibende Zeit bis Weihnachten, bis zu den kleinen Geschenken und dem Weihnachtsessen, verständlich machte. Wichern-Adventskränze erinnern nun an die historische Bedeutung des Brauchs: Vor der Erlöserkirche in Attendorn oder im Berliner Reichstag - und an einer zunehmenden Zahl weiterer Orte.

Die Erscheinungsformen von Armut haben sich seit 1839, als der erste "Wichern-Adventskranz" entstand, verändert. "Armut spielt sich heute mehr im Verborgenen ab" erklärt Pfarrer Andreas Schliebener aus Attendorn. Dort war schon 2008 als Beitrag zu den Kampagnen gegen Kinderarmut von Landeskirchen und Diakonie in Westfalen und im Rheinland ein Adventskranz in der Tradition Wicherns aufgestellt worden: Mit großen Kerzen für die Sonntage im Advent und kleinen für alle weiteren Adventstage bis Heiligabend, für die lange Adventszeit in diesem Jahr also mit insgesamt 28 Kerzen.

Adventskranz, eine Kerze erleuchtet

Der Wichern-Adventskranz vor der Erlöserkirche in Attendorn
© Foto: Andreas Schliebener

 


Kleines Kind, Johannes Stockmeier, Hermann Otto Solms, im Vordergrund der Adventskranz

 

Übergabe des Adventskranzes im Bundestag
Foto: Stephan Röger / diakonie.de

Jeden Abend gibt es eine Andacht. Die Kollekte dient der Unterstützung armer Kinder beim Kauf von Schulbedarf, der Adventskranz der öffentlichen Aufmerksamkeit für das Thema Kinderarmut. Zum Abschluss jeder Andacht darf das jeweils jüngste teilnehmende Kind das nächste Licht entzünden - in diesem Fall eine 24V-Glühbirne tiefer in die Fassung drehen, bis sie leuchtet.

Wichern-Adventskranz für den Bundestag

Auch im Berliner Reichstag erinnert ein Adventskranz nach der Bauart Wicherns an den historischen Kontext des Brauchs: Die Sorge um Menschen in Armut. Diakonie-Präsident Johannes Stockmeier überreichte den diesjährigen Adventskranz am Freitag an den Vizepräsidenten des Deutschen Bundestags, Hermann Otto Solms. Stockmeier würdigte dabei den Dialog der Politik mit den Verbänden. "Im politischen Austausch, in Gesprächen und Diskussionen mit den Mitgliedern und Mitarbeitenden des Deutschen Bundestages werden wir uns auch weiterhin für die sozial schwachen und benachteiligten Menschen in unserer Gesellschaft einsetzen", erklärte Stockmeier. Die Übergabe eines Wichern-Adventskranzes ist schon Tradition: Zum vierten Mal steht ein Kranz während der Adventszeit in der Lobby des Deutschen Bundestages. Stifter des Kranzes ist das Evangelische Johannesstift Berlin.

 

Rettungsring mit vier Kerzen

Bild zur Kampagne "Hoffnungsträger" der Diakonie Österreich

 


Armut gibt es, ungleich verteilt, an vielen Orten der Welt.
Das evangelische Hilfswerk „Brot für die Welt“ eröffnet am 1. Advent in Dortmund seine 53. bundesweite Aktion

Wichernkränze gegen Kinderarmut in Österreich

Der Adventskranz ist das prominente Symbol der Kampagne "Hoffnungsträger" der Diakonie Österreich. "30.000 Kinder und Jugendliche sind sozial gefährdet. Die Diakonie hilft. Und das seit über 170 Jahren, als die Diakonie für diese Kinder den Adventkranz erfunden hat" heißt es dazu auf einer Kampagnenseite unter der Überschrift "Der Adventkranz - eine Erfindung der Diakonie". Der "Adventkranz", wie er in Österreich genannt wird, erscheint dort als "Rettungsreifen" für Kinder und Jugendliche in Not.

Michael Chalupka, Direktor der Diakonie Österreich, überreichte vor dem ersten Adventsonntag einen Wichern-Adventkranz an die erste Nationalratspräsidentin Barbara Prammer. Chalupka verwies dabei auf die Geschichte des Adventkranzes, die eng mit der Hilfe für Kinder und Jugendliche aus ärmsten Verhältnissen verknüpft sei. Die aktuelle Diakonie-Kampagne "Hoffnungsträger" widmet sich benachteiligten Jugendlichen. "In ganz Europa verschärft sich in Folge der Finanzkrise die Situation für Jugendliche am Arbeitsmarkt.", erklärte Chalupka dazu bei der Kranz-Übergabe. Der Adventkranz stehe auch für die Tradition der Diakonie, niemanden als hoffnungslosen Fall abzutun.

Mit der Übergabe des "Adventkranzes" entsteht auch in Österreich eine Tradition. Im letzten Jahr war vor dem Klagenfurter Dom ein riesiger Wichern-Adventskranz von der Diakonie Kärnten aufgestellt worden. Die Anregung und der Bauplan dafür kamen aus Attendorn. Mit der Aktion "Hoffnungsträger" sind aktuell viele Projekte entstanden, "von denen wir im Kampf gegen Kinderarmut wieder viel lernen können", meint Schliebener, der Wieder-Entdecker des Adventskranzes aus Attendorn als Symbol gegen Kinderarmut.

Zurück zur Liste