19. Dezember 2011
Elternarbeit in der Erziehungshilfe
Diakonie-Fachtagung präsentiert Forschungsergebnisse

Hiltrud Wegehaupt-Schlund, Diakonie RWL, Professor Dr. Norbert Wieland, Fachhochschule Münster, Elisabeth Schmutz, Institut für Sozialpädagogische Forschung Mainz
Ziel von Elternarbeit in der Erziehungshilfe ist es, Kompetenzen von Eltern, die durch die ambulanten Dienste beraten werden oder deren Kinder in Heimen untergebracht sind, zu stärken. Wie eine solche Arbeit mit Eltern in den Hilfen zur Erziehung gelingen kann, beschreiben neueste Forschungsergebnisse, die auf einer Fachtagung am 15. Dezember vorgestellt wurden.
Elisabeth Schmutz vom Institut für Sozialpädagogische Forschung Mainz empfahl, bei der Eingangsdiagnostik im Heim nicht nur die Kinder im Blick zu haben, sondern auch die Eltern. Dabei muss gemeinsam an der Frage gearbeitet werden, wie die Erziehungsbedingungen in der Herkunftsfamilie verbessert werden können. „Hier ist es wichtig, dass Eltern in unseren Einrichtungen mit Wertschätzung begegnet wird und sie eingebunden sind“, so Hiltrud Wegehaupt-Schlund, Referentin bei der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe. Die Fachkräfte bräuchten gesicherte Zeiten für die Zusammenarbeit mit den Eltern. Dies müsse unter anderem bei der Dienstplangestaltung berücksichtigt werden.
Gelegenheiten für positive Erfahrungen
„Elternarbeit meint nicht nur, Gespräche zu führen, wie sie mehr Verantwortung für ihre Kinder übernehmen können. Hausbesuche helfen zum Beispiel, die Eltern in ihrem Lebenskontext kennenzulernen. Man kann konkret zeigen, wie man mit bestimmten Situationen umgehen kann. Das schafft Gelegenheiten für positive Erfahrungen“, so Elisabeth Schmutz. Dabei müsse man gemeinsam mit den Eltern an der Motivation arbeiten. Bei mittlerer und geringer Motivation der Eltern zur Zusammenarbeit mit den Fachkräften der Erziehungshilfe habe man in der Mehrzahl der Fälle die Motivation steigern können. „Ergebnis des Forschungsprojektes war zum Beispiel, dass Eltern die Unterstützung durch die Fachkräfte häufig besser einschätzen als die Fachkräfte selbst“, meinte Elisabeth Schmutz. Auch bei gleichbleibenden Entgelten und Rahmenbedingungen sei eine stärkere Einbindung der Eltern möglich, wenn entsprechende interne Konzepte entwickelt würden, meinte Hiltrud Wegehaupt-Schlund.
„Elternarbeit beruht auf Kompromissbildung“, so die These von Professor Dr. Norbert Wieland von der Fachhochschule Münster, der an einem Forschungsprojekt zu Elternarbeit im Auftrage des Fachverbandes gearbeitet hat. Die Anliegen und Bedürfnisse aller müssten berücksichtigt und dürften nicht übergangen werden. Eine gemeinsame Problemsicht und ein gemeinsames Ziel „von dem, was sein soll“ sei entscheidend. Dabei müssten die individuellen Ziele der einzelnen Familien im Blick behalten werden.