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18. Januar 2012

"Soziale Polarisierung ist Ursache der Finanzkrise"

Diskussionsveranstaltung zur Rolle der Diakonie im Kontext sozialstaatlicher Entwicklungen

Huster am Rednerpult

Prof. Dr. Ernst-Ulrich Huster


Manuskript des Vortrags

Video-Aufzeichnung

"Die Soziale Polarisierung in Deutschland, in Europa und in den anderen Metropolen der Weltwirtschaft ist die Ursache für die sich verschärfende Finanzkrise - und nicht die Finanzkrise Ursache für sozialen Abbau. Es ist umgekehrt." Wir brauchen dringend eine Korrektur in den Verteilungsabläufen. Dazu gehöre auch die Stärkung des Sektors sozialer Dienstleistungen - so eine der Thesen von Professor Dr. Ernst-Ulrich Huster im Rahmen einer Diskussionsveranstaltung der Diakonie RWL am 11. Januar 2012 in Düsseldorf. Die Veranstaltung stand im Zusammenhang mit dem bundesweiten Online-Dialog zu Thesen aus der von Prof. Dr. Becker herausgegebenen Expertise "Perspektiven der Diakonie im gesellschaftlichen Wandel". Prof. Dr. Huster war an der Erstellung der Analyse beteiligt.

Huster kritisierte in seinem Vortrag, dass eine Reduktion der Mittel für soziale Dienstleistungen nicht mehr als ein materielles Umverteilungsproblem der Gesellschaft diskutiert werde, sondern als nicht hinterfragbare Folge globaler ökonomischer Entwicklungen und des demografischen Wandels. Der Spielraum für eine gerechtere Verteilung des Wohlstands und die in vielen Bereichen erforderliche qualitative Ausweitung von sozialen Dienstleistungen sei in Deutschland gegeben. Huster verwies auf die relativ niedrige Staatsquote in Deutschland - gerade im Vergleich zu vielen anderen europäischen Ländern. Die demografische Entwicklung führe nicht zu der beschworenen Verschärfung der Verteilungslage. Huster: "Unterstellt man in der Zukunft realistischerweise ein Wirtschaftswachstum, und sei es nur um den Betrag von einem Euro, und unterstellt man, dass die Bevölkerung abnimmt, und sei es nur um eine Person, dann wird pro Kopf ein größerer Betrag erwirtschaftet als in der Vergangenheit, der verteilt werden kann." Dies gelte erst recht, wenn - wie erwartet - ein höheres Wirtschaftswachstum generiert werde und die Bevölkerung stärker abnimmt als bisher. Die demografische Veränderung - Abnahme der Bevölkerung - entspanne damit eher die Verteilungslage.

Eine Verschlechterung der Rahmenbedingungen für soziale Dienstleistungen führe die Diakonie in ein besonderes Dilemma: "Wenn wir als Dienstleistende unseren Qualitätsansprüchen nicht gerecht werden, dann scheitern wir in der Arbeit und dann wird uns das Scheitern zugerechnet und nicht jenen, die die Rahmenbedingungen der Arbeit verschlechtert haben", so Huster. Die Diakonie müsse sich auch deshalb noch stärker in den politischen Diskurs einbringen und sich für eine gerechtere Verteilung von Wohlstand einsetzen.

 

"Diakonie und Gesellschaft im Wandel"
Bundesweiter Online-Dialog

9. Januar bis 4. März

Bundesweiter Online-Dialog

Die Thesen von Professor Huster sind ein Beitrag zum laufenden Online-Dialog zu Diakonie und Gesellschaft im Wandel, der am 9. Januar 2012 begonnen hat. Der Online-Dialog läuft in vier Etappen, in denen diakonisches Handeln im Kontext sozialstaatlicher Entwicklungen weiter diskutiert werden können.

Die Etappen des Online-Dialogs:
Theologische Grundlagen und diakonisches Profil (9. bis 22. Januar 2012)
Grenzen des Sozialstaats (23. Januar bis 5. Februar 2012)
Dienstgemeinschaft und Dritter Weg (6. Februar bis 19. Februar 2012)
Aktiv im Alter (20. Februar bis 4. März 2012)

Videoaufnahme des Vortrags


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