7. November 2011
Koalitionsbeschlüsse zur Pflegeversicherung
"Beitragserhöhung allein verbessert nicht die Situation von Menschen mit Demenz"

Ulrich Christofczik
"Eine Beitragserhöhung allein verbessert noch nicht die Situation von Menschen mit Demenz, nicht von ihren Angehören und auch nicht von jenen, die in der Pflege arbeiten", so Ulrich Christofczik, Geschäftsbereichsleiter für Pflege, Alten- und Behindertenarbeit in der Diakonie RWL. Ein in der Fachwelt weit akzeptiertes Konzept zur inhaltlichen Reform der Pflegeversicherung liege seit 2009 vor. Es sei unverantwortlich, wenn diese Reform zu Lasten der pflegebedürftigen Menschen und ihrer Angehörigen noch weiter aufgeschoben werde. Aus dem versprochenen "Jahr der Pflege" sei ein verlorenes Jahr für die Pflege geworden.
Hintergrund
Die Pflegeversicherung beschränkt sich bislang vorrangig auf Unterstützungsleistungen für Hilfen in den Bereichen der Körperpflege, der Ernährung und der Mobilität. Menschen, die auf Hilfen in anderen Bereichen angewiesen sind, fallen oftmals durch das Raster der Pflegeversicherung und gehen leer aus. Daran haben auch die Nachbesserungen aus den vergangenen Jahren nur wenig geändert. Das betrifft besonders Menschen mit Demenz und psychischen Problemlagen. Sie benötigen eine Unterstützung bei der Gestaltung des Alltagslebens. Ein vom Bundesgesundheitsministerium 2006 eingerichteter "Beirat zur Überprüfung des Pflegebedürftigkeitsbegriffs" hatte 2009 ein Konzept vorgelegt, mit dem der Unterstützungsbedarf von Personen mit demenziellen Veränderungen besser berücksichtigt werden kann. Bundesgesundheitsminister Bahr wollte dazu schon im Sommer Eckpunkte vorlegen. Stattdessen war Ende September die Mitteilung gekommen, man werde den Beirat wieder einsetzen.