15. Mai 2012
Niemand soll zurück bleiben
Diakonieexperten freuen sich auf die Umsetzung der geplanten Projekte durch die neue Landesregierung

Ulrich Christofczik leitet den Geschäftsbereich Pflege-, Alten- und Behindertenarbeit.
Für Ulrich Christofczik, den Leiter des Geschäftsbereichs Pflege-, Alten- und Behindertenhilfe, liegt ein Schwerpunkt in der politischen Arbeit der neuen Landesregierung in der Schaffung eines guten Versorgungsmix im Quartier mit echten Wahlmöglichkeiten für Menschen mit Hilfe- und Pflegebedarf. „Pflege zu Hause, im Wohn- oder im Pflegeheim oder in kleinen Wohngruppen braucht faire und zuverlässige Finanzierungsbedingungen.“ Dabei sieht Christofczik, dass die wesentlichen Entscheidungen hierzu auf der Bundesebene fallen. „Der Politikstau in Berlin frustriert uns zunehmend. Wir gehen davon aus, dass sich die Landesregierung weiter für eine Pflegereform einsetzt, die diesen Namen auch verdient und werden sie dabei auch weiter unterstützen.“
Ulrich Christofczik weist darauf hin, dass die alte Landesregierung für NRW im Februar Eckpunkte zur Weiterentwicklung des Landespflegerechtes und zur Reform des Wohn- und Teilhabegesetzes vorgelegt hatte. Hier seien viele gute Ansätze zur Unterstützung der quartiersbezogenen Altenhilfe und zum Bürokratieabbau enthalten. „Wir werden die Ressourcen der Diakonie einbringen, damit die Vision eines "Quartiers der Sorge" Wirklichkeit wird.“
Wichtig ist Christofczik auch, gemeinsam mit der neuen Landesregierung am Bild des Altenpflegeberufes in der Öffentlichkeit zu arbeiten. „Wir werden mit konkreten Vorschlägen auf die Landesregierung zugehen, wie das Image des Altenpflegeberufs verbessert werden kann. Wir müssen das engagierte Personal in der Altenpflege halten und dringend mehr junge Leute für den Beruf interessieren. Ohne motiviertes Personal in der Altenhilfe werden alle Pläne zur Verbesserung der Versorungsstrukturen im Quartier scheitern.“

Nikolaus Immer leitet den Geschäftsbereich Soziales und Integration
Nikolaus Immer ist Leiter des Geschäftsbereichs Soziales und Integration. Er sieht, dass ein zunehmender Anteil arbeitsloser Menschen ohne reelle Chance ist, Arbeit zu finden. Kürzungen der Bundesregierung in der Beschäftigungsförderung hätten diese Situation noch verschärft, so Immer. „Wir freuen uns daher auf die zügige und entschlossene Umsetzung der Ideen zu einem öffentlich geförderten Arbeitsmarkt, wie sie von der Landesregierung im März vorgelegt wurden. Unsere Berechnungen zum "Passiv-Aktiv-Transfer" zeigen, dass passive Sozialleistungen oftmals viel gewinnbringender für eine aktive Beschäftigungsförderung eingesetzt werden können.“

Helga Siemens-Weibring leitet den Geschäftsbereich Familie, Bildung und Erziehung
Helga Siemens-Weibring, Leiterin des Geschäftsbereiches Familie, Bildung und Erziehung, sieht aus der fachlichen Bewertung eine große Übereinstimmung mit dem Leitmotiv der alten und wohl auch neuen Ministerpräsidentin Hannelore Kraft, nämlich der Akzentuierung von Prävention. „Es ist doch für die Kinder, Jugendliche und die Familien besser, frühzeitig zu unterstützen und nicht zu warten, bis das sprichwörtliche Kind in den Brunnen gefallen ist.“ Prävention im Bereich von Erziehung und Jugendhilfe sei darüber hinaus auf Dauer für den Staat auch kostengünstiger. „Das heißt aber nicht“, so Siemens-Weibring, „dass es kostenlos ist. Zuerst einmal muss investiert werden.“ Darüber hinaus gelte der Vorrang der Prävention auch über Unterstützung von Kindern und Jugendlichen hinaus für die vorbeugende Unterstützung von Familien, etwa im Rahmen der Unterstützung von Pflegenden Angehörigen, wie sie die Familienbildung leistet.
Auch den Slogan, kein Kind dürfe zurück gelassen werden, nimmt Siemens-Weibring gerne auf. Im Bereich der Weiterentwicklung des Kinderbildungsgesetzes seien bereits wichtige Themen besprochen (Stichwort: Personalschlüssel), jetzt gelte es, dies auch bis in die Finanzierungsfragen hinein umzusetzen. „Das müssen wir jetzt zügig angehen und entsprechende Verfahren verabreden.“
Durch den parteiübergreifenden „Schulfrieden“, der in der letzten Legislaturperiode verabschiedet werden konnte, sind ebenfalls wichtige Grundlagen für eine konsequente Förderung gerade von benachteiligten Kindern und Jugendlichen gelegt. Hier muss konkret durchbuchstabiert werden, wie die Zusammenarbeit von Schule und Jugendhilfe organisiert werden soll. „Es geht um eine gute Ausstattung mit Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern an den Schulen sowie um einen Ausbau der Angebote im Offenen Ganztag.“