31. Mai 2012
Die Besten für die Jüngsten
Helga Siemens-Weibring, Bildungsexpertin der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe, plädiert für mehr qualifiziertes Personal

Helga Siemens-Weibring ist Leiterin des Geschäftsbereiches Familie, Bildung und Erziehung
"Wird der frühe Besuch einer Kita meinem Kleinkind am Ende mehr schaden als nutzen?“, so fragen bereits Eltern von „u3-Kindern“ angesichts der Überlegungen aus dem Bildungsministerium in Berlin, die derzeit öffentlich gemacht werden.
„Aus fachlicher Sicht halten wir eindeutig fest: Der frühe Besuch einer Kita fördert die Entwicklung der Kleinsten, und zwar dann, wenn die Qualität und die Rahmenbedingungen in der Kita stimmen“, so Helga Siemens-Weibring, Leiterin des Geschäftsbereiches Familie, Bildung und Erziehung der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe.
Gute Rahmenbedingungen, das sind angemessene Räume, kleine übersichtliche Gruppen und vor allem pädagogisch gut ausgebildete Fachkräfte, die um die Entwicklung und die besonderen Bedürfnisse von Säuglingen und Kleinkindern wissen. Gerade für diese sensible Altersgruppe sind verlässliche und kompetente Bezugspersonen von größter Bedeutung, da in diesem Alter Entwicklung und Bildung über die Bindung zu Bezugspersonen geschieht.
„Die derzeitigen Überlegungen der Bundesregierung, übergangsweise den Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für unter Dreijährige ab 2013 durch Erhöhung von Gruppengrößen oder den Einsatz von Hilfskräften im sozialen Jahr oder aus dem Bundesfreiwilligendienst sicherzustellen, sind fachlich unsinnig und führen zu einer Verunsicherung bei den Eltern“, so Siemens-Weibring. Hier würden zu Lasten der schwächsten Mitglieder unserer Gesellschaft politische Unzulänglichkeiten kompensiert. „Die besondere Altersgruppe von Babys und Kleinkindern verträgt keine derartigen Übergangslösungen. Frühkindliche Bildung ist die Grundlage für alle folgenden Bildungsprozesse.“ Daher müssten gerade in diesen Jahren die bestmöglichen Rahmenbedingungen für die Bildung, Erziehung und Betreuung in der Kita vorhanden sein.
Zwar absolvieren bereits etliche Freiwillige im Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) und im Bundesfreiwilligendienst (BFD) im Rahmen ihrer persönlichen und beruflichen Orientierung ein Jahr in evangelischen Tageseinrichtungen für Kinder. Sie haben jedoch in der Regel keine berufliche Qualifikation und unterstützen die pädagogischen Fachkräfte als zusätzliche Laienmitarbeitende. „Unsere Freiwilligen sind von der Tätigkeit in diesem Arbeitsfeld ziemlich begeistert und gerade für junge Männer ist die Arbeit mit kleinen Kindern eine tolle Sozialisationserfahrung!“, so der Referent für Freiwilligendienste bei der Diakonie RWL, Jürgen Thor. Der Vorschlag, Freiwillige im FSJ und BFD als reguläre Arbeitskräfte einzusetzen, ziele auch aus der Perspektive der Freiwilligendienste in die falsche Richtung.
Seit Inkrafttreten des KiBiz fordern die Fachleute von Diakonie und Evangelischer Kirche mehr Personal für die Gruppen mit unter Dreijährigen. Insbesondere der zusätzliche Einsatz von pädagogisch ausgebildeten Kinderpflegerinnen in diesen Gruppen würde die Qualität vielerorts verbessern.