20. Juli 2012
Blaue Karte der Diakonie
Service der Diakonie Düsseldorf für Notfallsituationen ist überregional nutzbar

Bild: Diakonie Düsseldorf
Die Vereinbarung zwischen der Diakonie Düsseldorf und der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe ist seit Anfang Juli 2012 unterschrieben und die "Blaue Karte" um eine wichtige Funktion erweitert worden. Die Karte ermöglicht das Hinterlegen von Informationen für Notfälle bei einer Servicestelle, die rund um die Uhr erreichbar ist. Das Angebot der Diakonie Düsseldorf ist von nun an in Kooperation mit den Betreuungsvereinen im gesamten Verbandsgebiet nutzbar, bestätigt Waltraud Nagel, Referentin für Betreuungsvereine in der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe e.V.
Im Rahmen des Hausnotrufes der Diakonie Düsseldorf ist die "Blaue Karte" 2008 etabliert worden. Sie umfasste bislang alle Daten, die im Zusammenhang mit einem Notfall für den behandelnden Arzt relevant sein könnten, wie die Adresse des Hausarztes, die Nummern von Freunden und Verwandten oder den Hinweis auf wichtige Medikamente.
Die "Blaue Karte" wurde nun um eine wichtige Funktion erweitert. Mitarbeitende aus den diakonischen Betreuungsvereinen hatten angeregt, die "Blaue Karte" vom Hausnotruf loszulösen. Von ihnen wurde auch die Idee weiterverfolgt, auf der "Blauen Karte" nicht nur medizinisch relevante Daten zu speichern, sondern darüber hinaus auch auf Betreuungsverfügung, Vorsorgevollmacht oder eine Patientenverfügung hinzuweisen. Für Herrn Beaugrand schien die "Blaue Karte" wie prädestiniert für dieses Anliegen. Auf diese Weise profitieren nicht nur der Kunde und die Helfer im Notfall, sondern auch die Diakonie und die Betreuungsvereine, die mit diesem Angebot werben können. Mit Hilfe der "Blauen Karte" ließen sich die verschiedenen Anliegen unkompliziert kombinieren.
Wer die "Blaue Karte" bestellt, schafft damit eine Möglichkeit, dass seine medizinischen Daten abrufbar sind und dass seine Vertrauenspersonen über die Notsituation informiert werden und entsprechend handeln können. Auf diesem Weg wird vermieden, dass unnötigerweise eine fremde Person gerichtlich als Betreuer eingesetzt wird.
Einmalige Gebühr
Die “Blaue Karte” kostet einmalig 26,50 Euro und ist sieben Jahre lang gültig. Auf der Karte findet sich eine kostenlose 0800 Nummer, die landesweit, rund um die Uhr, angerufen werden kann, sogar aus dem Urlaub. Wenn dem Besitzer dann etwas zustößt und er die Karte bei sich trägt, können die Ersthelfer sich an die angegebene Rufnummer wenden und werden über die vorliegenden Verfügungen und die ausgewählten Vertrauenspersonen informiert.
Die persönlichen Daten unterliegen dabei einem hohen Schutz. Die Karte enthält nur den Namen und eine persönliche Kontaktnummer. So soll ausgeschlossen werden, dass ein Krimineller mit der Karte auch die Adressdaten erhält. So wird bei einem abgesetzten Anruf erst einmal per Rückrufkontrolle identifiziert, ob auch wirklich aus dem besagten Krankenhaus angerufen wurde. Auf diesem Wege wird gewährleistet, dass keine Daten an unbefugte Dritte weitergegeben werden.
Die Kooperation mit den Betreuungsvereinen sorgt nicht nur dafür, dass bestehende Bevollmächtigte und Verfügungen auf der "Blauen Karte" hinterlegt werden können. "Sie soll auch dazu beitragen, soziale Netzwerke zu stützen und eine Gesprächskultur zu fördern, die dazu beiträgt, dass mehr Menschen von Vorsorgeeinrichtungen erfahren und sie auch nutzen", erklärt Waltraud Nagel. Wer über funktionierende Familienstrukturen und ein funktionierendes soziales Netzwerk verfüge, könne sich in diesem Rahmen um einen Bevollmächtigten bemühen, der in einer entsprechenden Notsituation weiß, was zu tun ist. "Deshalb ist die ‚Blaue Karte´ auch für die Betreuungsvereine so wichtig", erklärt Nagel.
Von einer ungewöhnlicheren Verwendung weiß Andreas Beaugrand zu berichten. So meldete sich unter der Nummer ein Taxifahrer, der die Karte bei einer geistig verwirrten Frau gefunden hatte. Ohne genügend Barmittel zu besitzen, wollte die Frau nach Wuppertal gefahren werden. Durch den Anruf stellte sich jedoch heraus, dass sie in einer Einrichtung in Düsseldorf untergebracht war. So konnte die Frau sicher nach Hause gebracht werden.
Auch wenn diese Verwendung über die ursprüngliche Idee hinausreicht, zeigt sich daran doch, dass die Karte ein Hilfsangebot ist, das gerade dann zum Tragen kommt, wenn man am wenigsten damit rechnet - im Notfall.
Text: Sven Sevecke

