27. November 2015

25 Jahre Familienbildungswerk Westfalen-Lippe

Wandlungsfähig und am Puls der Zeit

Das Evangelische Familienbildungswerk Westfalen und Lippe e.V. feiert am Freitag auf seiner Jahrestagung sein 25-jähriges Bestehen. Das Werk wurde gegründet, um kleinere evangelische Familienbildungseinrichtungen und -stätten zu stärken, auch in eher ländlichen Regionen Westfalens und Lippe. Corinna Sühlsen, Referentin für Familienbildung, berichtet, wie sich die Einrichtungen in den vergangenen Jahren verändert und weiterentwickelt haben.

Warum ist das Evangelische Familienbildungswerk Westfalen-Lippe vor 25 Jahren gegründet worden?

Evangelische Familienbildungsarbeit in Westfalen und Lippe gibt es schon seit Ende der 60er Jahre. 1976, ein Jahr nach Inkrafttreten des Weiterbildungsgesetzes NRW, wurde der Arbeitskreis Evangelischer Familienbildungsstätten in Westfalen und Lippe gegründet. Aus diesem Arbeitskreis heraus kam es 1990 zur Gründung des Evangelischen Familienbildungswerkes Westfalen und Lippe e.V., dem vor 25 Jahren zehn Familienbildungsstätten und vier Einrichtungen angehörten. Mit der Gründung des Werkes konnten auch kleinere Einrichtungen ihre Bildungsarbeit fortführen, die aufgrund von Novellierungen des Weiterbildungsgesetzes allein nicht in der Lage gewesen wären, die Auflagen weiterhin zu erfüllen.

Wie haben sich evangelische Familienbildungsstätten seitdem verändert?

Die Veränderungen sind enorm. Während noch in den 80er Jahren Ausläufer der Ernährerfamilie mit klar umrissenen Rollen für Mütter und Väter existierten, leben Familien heute das eher partnerschaftliche Familienmodell. Mit unserer Arbeit unterstützen und begleiten wir Familien in allen Lebensformen, in denen Menschen füreinander Verantwortung übernehmen. Das Angebotsspektrum reicht von Eltern-Kind-Gruppen, über Elternkompetenzkurse, Angebote zu Themen wie Ernährung und Gesundheit, Bewegung und Entspannung, Kunst, EDV und Medien bis hin zu Interkulturellem Lernen und Zusammenleben.

Während es auch heute noch die  „klassische“ Familienbildungsstätte gibt, in der Kurse und andere Bildungsangebote stattfinden, ist eine weitere entscheidende Veränderung, dass Evangelische Familienbildung in den vergangenen Jahren ein breites Netzwerk von Kooperationspartnern aufgebaut hat. Dazu gehören Einrichtungen und Institutionen, in denen Familien anzutreffen sind, etwa Tageseinrichtungen für Kinder und Familienzentren, Schulen, kommunale Einrichtungen, familienfreundliche Arbeitgeber, Elternschulen und viele andere mehr. Familienbildung geht heute mehr auf Familien zu, sucht Orte auf, an denen sie anzutreffen sind und platziert dort ihre Angebote.

Familien stehen heute immer mehr unter Zeitdruck. Es gibt viele Alleinerziehende und Patchwork-Familien. Hat das die Kursangebote verändert?

Wir erleben, dass Familien kaum Zeit haben, und das verändert natürlich auch unsere Angebote. Familien wünschen sich heute kurzfristige Angebote, die sich an ihrem Alltag orientieren. Evangelische Familienbildung reagiert darauf und gestaltet sie nach den zeitlichen Möglichkeiten der Familienmitglieder. Offene Familienbildungsangebote am Sonntag, Veranstaltungen am Wochenende oder in den frühen Abendstunden, an denen berufstätige Mütter und Väter Zeit für die Familie finden, gehören längst zum Programm von Familienbildungseinrichtungen.

Dem Evangelische Familienbildungswerk Westfalen und Lippe e.V. wurde in diesem Herbst erneut eine hohe Qualität der Bildungsarbeit bescheinigt. Bereits seit 2009 ist das Werk, das sich als Gesamtheit aller seiner 15 Mitgliedseinrichtungen versteht, nach Gütesiegelverbund Weiterbildung zertifiziert. Dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zufrieden sind, ist allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den Einrichtungen wichtig. Evangelische Familienbildungsarbeit handelt aus christlicher Überzeugung, ist inklusiv, vielfältig, visionär.   

Mittlerweile existiert ein breites Kurs- und Seminarangebot für Familien vor Ort. Gibt es auch Konkurrenz?

Sicherlich gibt es mancherorts sehr viele Angebote für Familien. Wir begrüßen das sehr, denn Familie zu leben ist eine verantwortungsvolle Aufgabe, die es aus Sicht der Familienbildung zu unterstützen gilt.

In Städten, in denen es mehrere Anbieter gibt, stimmen diese sich in der Regel darüber ab, wer welche Schwerpunkte setzt. Dort, wo es derartige  Abstimmungen nicht gibt, gilt der Satz „Konkurrenz belebt das Geschäft“, denn letztendlich entscheiden die Kunden darüber, bei welchem Anbieter sie ein Bildungsangebot wahrnehmen. 

Heute brauchen Flüchtlingsfamilien Unterstützung. Helfen Sie auch vor Ort in den Flüchtlingsheimen?

Ja, wir gehen in die Flüchtlingsunterkünfte und bieten dort unterstützende Angebote an. Sie sind  niedrigschwellig und sollen den Flüchtlingen helfen, sich einzugewöhnen und zuversichtlich ihren Weg in unserer Gesellschaft zu finden. Dazu gehören neben Sprachkursen und internationalen Elterncafés auch Angebote der Begleitung bei Behördengängen oder anderen Fragen. Unser Ansatz ist, die Eltern zu stärken, denn Kinder brauchen starke Eltern. Wenn Eltern stark sind,  geht es auch ihren  Kindern gut.

Die Angebote der Familienbildung für Flüchtlingsfamilien werden aktuell vom Land NRW gefördert. Über diese finanzielle Unterstützung sind wir sehr froh. Als diese noch nicht zur Verfügung stand, haben viele Träger und Einrichtungen ihr Programm aus Eigenmitteln finanziert. Auch konnten wir Kollektenmittel der westfälischen Landeskirche einsetzen, mit denen kurzfristige Hilfsangebote unterstützt wurden. Die Sicherung von Fördermitteln für Familienbildungsangebote im kommenden Jahr ist uns ein wichtiges Anliegen, denn wir werden in jedem Fall unsere Angebote diesbezüglich ausbauen und weiterentwickeln, um die Hilfe und Unterstützung anzubieten, die die Flüchtlinge brauchen.  

Auf unserer Jahrestagung am 27. November 2015 in Soest beschäftigen wir uns mit diesem Thema und beraten mit Vertretungen des Familienministeriums darüber.

Das Gespräch führte Sabine Portmann.

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