25. Juli 2013

Vier Jahre Netzwerk Büderich

Modell zur Netzwerkarbeit im ländlichen Raum

Joachim Wolff, Gabi Winter

Pfarrer Joachim Wolff und Gabriele Winter


 

Video

Das vollständige Interview mit Pfarrer Joachim Wolff


Dokumentation

Konzept und Erfahrungen des Netzwerks Büderich

Die Düsseldorfer Netzwerke sind gerade 20 Jahre alt geworden - und als erfolgreiches Modell der Seniorenarbeit gefeiert worden.  Inzwischen gibt es Netzwerke in vielen Städten in NRW. Ein Vorurteil aber hat sich in der Fachöffentlichkeit lange gehalten - dass dieser Ansatz nur in Städten erfolgreich sei. Dass Netzwerkarbeit aber auch im ländlichen Bereich klappen kann, zeigt die Geschichte des Netzwerks Büderich, das vor kurzem vier Jahre alt geworden ist.

"Die Besonderheit an unserem Netzwerk ist, dass es im ländlichen Raum funktioniert, in einem Raum mit begrenztem öffentlichen Nahverkehr. Und doch erreicht das Netzwerk einen Teilnehmerkreis, der weit über unseren Ort hinausreicht. Die Menschen kommen zu uns, weil sie sich im Netzwerk aufgehoben fühlen" erklärt Joachim Wolff, Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Büderich und einer der Initiatoren des Netzwerks.

Typische Ausgangssituation

Ausgangspunkt der Netzwerkarbeit war, dass die Leiterin des Seniorenkreises ihr Ehrenamt aus Altersgründen aufgeben wollte und zunächst keine Nachfolge in Sicht war. "Wir haben uns dann im Presbyterium zusammengesetzt und überlegt, wie gestalten wir unsere Seniorenarbeit neu", erzählt Pfarrer Wolff im Interview. Daraus entwickelt hat sich ein erfolgreiches Netzwerk, in dem sich über 80 Seniorinnen und Senioren in 20 Gruppen engagieren. Und: Für den Seniorenkreis fand sich am Ende doch eine neue Leiterin. Die Gruppe der eher hochaltrigen Senioren treffen sich weiter, alle 14 Tage. Wer von den "alten" Senioren zwischendurch in der Gemeinde aktiv sein möchte, nimmt nun zusätzlich die Angebote des Netzwerks in Anspruch.

Netzwerkarbeit verändert Gemeindearbeit

Konkurrenz zwischen den Gruppen, so Wolff, sei kein Thema mehr. Das war nicht immer so. "Netzwerkarbeit verändert Gemeindearbeit. Und anfangs war es schon so, dass das Netzwerk sehr kritisch betrachtet worden ist von vielen Gruppen", erläutert Joachim Wolff. Für Ausgleich sorgten viele Gespräche der Koordinatorin des Netzwerks, Edith Guttmann, mit allen Gruppen und die Unterstützung durch den Pfarrer. "Inzwischen ist es so, dass alle sagen, das ist unser Netzwerk", erklärt Pfarrer Wolff.

Erfolgsfaktoren

"Für uns war von Anfang an klar - ein solches Projekt funktioniert nur mit einer hauptamtlichen Kraft oder zumindest einer Honorarkraft als zentraler Ansprechpartnerin", erzählt Pfarrer Wolff. Möglich wurde dies durch eine Anschubfinanzierung aus Kollektenmitteln der Evangelischen Kirche im Rheinland, die durch die Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe vergeben wurden. Im Mai 2009 wurde - zunächst auf Honorarbasis - Edith Guttmann als Koordinatorin für den Aufbau des Netzwerks gewonnen. "Ich glaube, das wichtigste war, dass Frau Guttmann zu den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Netzwerkes guten Kontakt gehalten hat, vielen auch immer wieder nachgegangen ist, ohne aufdringlich zu sein, so dass alle gemerkt haben, wir sind hier wirklich willkommen", vermutet Pfarrer Wolff. Eine weitere Aufgabe war die Vernetzung mit anderen Vereinen, Verbänden und der Katholischen Kirche am Ort, die das Netzwerk unterstützen, zum Beispiel mit der Bereitstellung zusätzlicher Räume.

Finanzierung

Viel Zeit, auch die des Pfarrers, wird davon beansprucht, regelmäßig neue Mittel für die Netzwerkarbeit zu akquirieren. "Das ist jedes Jahr ein neuer Kampf, neues Überlegen, wo bekommen wir das Geld eigentlich her", klagt Pfarrer Wolff. Er wünscht sich eine zuverlässigere Finanzierung, "zumindest, dass man mal sagen kann, wir haben für die nächsten drei Jahre eine Perspektive - das haben wir bislang nicht". Trotz ihrer klammen Finanzlage müssten auch die Kommunen erkennen, dass solch ein Netzwerk wesentlich zur Lebensqualität in den Stadtteilen beiträgt - und die Arbeit finanziell unterstützen.

"Es muss einen Verantwortlichen, einen Projektentwickler, einen Ermöglicher geben, um ein Netzwerk in Gang zu setzen, keinen Macher, sondern eine Person, die Menschen begleiten kann", sagt auch Gabriele Winter, Referentin für Gemeinwesenarbeit in der Diakonie RWL, die die Gemeinde in Büderich beim Aufbau des Netzwerks beraten hat. Das sei in der Regel nur im Rahmen einer bezahlten Tätigkeit möglich. Die Kommunen müssten hier mehr in die Pflicht genommen werden. Sie verweist auf das Konzept für eine zuverlässige Finanzierung gemeinwesenorientierter Seniorenarbeit, das 2011 von einer Arbeitsgruppe für die Diakonie Deutschland entwickelt wurde.

 

Unterstützung für Netzwerke

Das "Evangelische Zentrum für Quartiersentwicklung", eine Kooperation von Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe und dem Evangelischen Erwachsenenbildungswerk Nordrhein, berät und unterstützt beim Aufbau neuer Netzwerke. "Wir haben Kolleginnen und Kollegen, die seit Jahren Gemeinden in diesen Prozessen begleiten", erklärt Gabriele Winter. Das Evangelische Zentrum für Quartiersentwicklung bietet regelmäßig Fortbildungen zum Thema an und organisiert zwei mal im Jahr ein Treffen der bestehenden Netzwerke. "Da können Interessierte gerne dazu kommen und erfahren, wie andere Netzwerke arbeiten" - zum Beispiel das Netzwerk Büderich.

 

Interview mit Pfarrer Joachim Wolff

                       

Thema Netzwerkarbeit: Drei Fragen an Gabriele Winter




Materialien

Dokumentation zum Netzwerk Büderich
Konzeption und Erfahrungen des Netzwerks Büderich
Die Broschüre kann beim Gemeindebüro der Evangelischen Kirchengemeinde Büderich bestellt werden (Pastor-Wolf-Straße 41, 46487 Wesel, Tel. 02803 8190, mailto:gemeindebuero@evkbg.de). Die Broschüre ist kostenlos.
Netzwerk Büderich
Webseiten des Netzwerks Büderich mit einem Überblick über Gruppen und Termine
Evangelisches Zentrum für Quartiersentwicklung
Informationsbroschüre zum Evangelischen Zentrum für Quartiersentwicklung
Netzwerksensible Seniorenarbeit
Forum Seniorenarbeit NRW (Hg.): Konzepte der Netzwerkarbeit, Praxisbeispiele und Ansätze zur Initiierung informeller Unterstützungsstrukturen bei allen Angeboten der Seniorenarbeit
Finanzierung gemeinwesenorientierter Seniorenarbeit
Diakonie-Texte 09.2011: Altenarbeit im Gemeinwesen: Demografisch geboten - politisch notwendig - verläßlich finanziert.
Dossier
Altenarbeit im Gemeinwesen

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