13. Januar 2016

Freie Wohlfahrtspflege Rheinland-Pfalz

Neue Kampagne zur Sozialarbeit

Sie engagiert sich für Flüchtlinge, für Arme und Kranke, für Kinder und Jugendliche: ohne die Freie Wohlfahrtspflege sähe Rheinland-Pfalz anders aus. Was genau die Verbände dort tun, soll mit einer Kampagne öffentlich sichtbar werden. Die LIGA der freien Wohlfahrtspflege, in der sich auch die Diakonie RWL engagiert, hat sie jetzt unter dem Titel "Von Mensch zu Mensch" gestartet.

Schon vor über 60 Jahren haben sich die Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege in Rheinland-Pfalz zusammengeschlossen, um sich gemeinsam sozialpolitisch für all jene Menschen einzusetzen, die von der Diakonie, Caritas, Arbeiterwohlfahrt, dem Roten Kreuz und Paritätischen Wohlfahrtsverband betreut und beraten werden. "Auch wenn wir mittlerweile seitens der politisch Verantwortlichen wahrgenommen und in viele Entscheidungsprozesse eingebunden werden, ist die Arbeit der LIGA in der Öffentlichkeit noch nicht genügend bekannt", betont Nikolaus Immer, Mitglied der Geschäftsführung der Arbeitsgemeinschaft der Diakonie Rheinland. Eine Informationskampagne soll das nun ändern.

 

Sozialarbeit als bedeutender Wirtschaftsfaktor

Schließlich gehört die Freie Wohlfahrtspflege mit mehr als 145.000 Mitarbeitenden zu den größten Arbeitgebern im Bundesland. In ihren Einrichtungen werden weit über 40.000 pflegebedürftige Menschen und auch Menschen in schwierigen Lebenslagen begleitet. Die Kindertagesstätten betreuen rund 80.000 Kinder. Eine Studie des Instituts für Bildungs- und Sozialpolitik der Hochschule Koblenz (IBUS) belegt, dass ein Großteil der in der freien Wohlfahrtspflege getätigten Ausgaben in der jeweiligen Region verbleiben und damit die heimische Wirtschaft in vielen Teilbereichen stärken und sichern. Zum Beispiel dadurch, dass Familien mit Kindern und pflegende Angehörige entlastet werden und einer Berufstätigkeit nachgehen können.

Nikolaus Immer

"70 Prozent der Leistungsentgelte und Fördermittel der öffentlichen Hand fließen direkt oder indirekt in Form von Abgaben und Steuern an den Bund, das Land und die Kommune zurück", fasst Immer das Ergebnis der Studie zusammen. Die Sozialwirtschaft sei somit ein bedeutender Wirtschaftsfaktor für Rheinland-Pfalz, was in Politik und Öffentlichkeit bislang kaum wahrgenommen werde.

 

Stark in der Armutsbekämpfung

Wie gut Rheinland-Pfalz ökonomisch dasteht, hat im vergangenen Jahr der aktuelle Armuts- und Reichtumsbericht gezeigt, an dem die LIGA mitarbeitete. "Die positive wirtschaftliche Entwicklung geht allerdings mit einem steigenden Armutsrisiko insbesondere für ältere Menschen, Alleinerziehende und Jugendliche einher", erklärt der LIGA-Vorsitzende Albrecht Bähr. Die sogenannte Armutsrisikoquote sei mit 42,5 Prozent bei Alleinerziehenden, mit 22,5 Prozent bei Jugendlichen sowie 22,2 Prozent bei Frauen ab 65 Jahren am höchsten. "Seit 2005 ist sie in Rheinland-Pfalz deutlicher angestiegen als in anderen Bundesländern und das sehen wir als LIGA der Freien Wohlfahrtspflege mit großer Sorge."

Die Kampagne spart auch dieses Thema nicht aus. Auf Infokarten, Plakaten und im Internet zeigen die Wohlfahrtsverbände, dass sie sich auch auf politischer Ebene für die Armutsbekämpfung und Existenzsicherung einsetzen. Über einen QR-Code auf den Karten können ausführliche Informationen auf der Internetseite der LIGA abgerufen werden. Die Wohlfahrtsverbände warnen davor, dass die Spaltung in Arm und Reich den sozialen Frieden gefährden könnte und fordern ein gerechteres Steuersystem, das nicht weiterhin Arbeit belastet und Vermögen schont. "Wir brauchen mehr politische und gesellschaftliche Anstrengungen zur Bekämpfung der Langzeitarbeitslosigkeit, zur besseren Integration armer Kinder sowie zur Abwehr von Stromsperren, von denen immerhin acht Prozent der Bevölkerung in Rheinland-Pfalz betroffen sind", betont Bähr.

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