14. März 2016

Aktueller Arbeitslosenreport NRW

Migranten sind oft ohne Job

Menschen mit Migrationshintergrund stellen knapp die Hälfte der Langzeitarbeitslosen in Nordrhein-Westfalen. Das belegt der aktuelle Arbeitslosenreport der Freien Wohlfahrtspflege. Trotz der guten Konjunktur ist ihre Integration in den Arbeitsmarkt nicht gut gelungen. Die Politik muss schnell handeln, damit es Flüchtlingen nicht ebenso geht, fordert die Diakonie RWL.

In Nordrhein-Westfalen hat jeder vierte Einwohner einen Migrationshintergrund. Mit einem Anteil von 47 Prozent an der Gesamtzahl der Arbeitslosen sind sie jedoch wesentlich stärker von Arbeitslosigkeit betroffen als Nichtmigranten. Die Zahlen des neuen Arbeitslosenreports der Freien Wohlfahrtspflege NRW machen deutlich, dass zugewanderte Menschen offenbar nicht von der guten Konjunktur der vergangenen Jahre profitieren konnten.

Ein wesentlicher Grund dafür sind laut aktuellem Report die fehlenden Berufsabschlüsse vieler Migrantinnen und Migranten. So verfügen 73 Prozent der arbeitslosen Zuwanderer, die nicht in Deutschland aufgewachsen sind, über keine berufliche Qualifikation, während der Anteil bei arbeitslosen Migranten, die bereits in Deutschland zur Schule gingen, bei 62 Prozent liegt. Fast jeder dritte Migrant arbeitet folglich in prekären Beschäftigungsverhältnissen oder versucht sich aufgrund der schlechten Chancen am Arbeitsmarkt als Unternehmensgründer, meist in der eigenen Community.

 

Nikolaus Immer

Verfehlte Einwanderungs- und Arbeitsmarktpolitik

Für die Freie Wohlfahrtspflege NRW, zu der auch die Diakonie gehört, sind dies die Auswirkungen einer verfehlten Einwanderungs- und Arbeitsmarktpolitik und damit politisch zu verantworten. "Es gibt zwar viele Angebote zur beruflichen Integration, aber die sind vor Ort oft nicht gut vernetzt", kritisiert der Geschäftsbereichsleiter Soziales und Integration der Diakonie RWL, Nikolaus Immer. So müssten die Beratungsstellen der Diakonie stärker in das System der Anerkennung von ausländischen Schul-, Studien- und Berufsabschlüssen eingebunden werden.

"Beratungsstellen, Schulsozialarbeit und Migrantenselbstorganisationen arbeiten noch zu häufig neben- statt miteinander. Es fehlt ein mittel- und langfristiges Integrationskonzept", bemängelt Immer. Dies sei besonders im Hinblick auf die Integration der vielen Flüchtlinge in den deutschen Arbeitsmarkt dringend erforderlich.

Andreas Johnson, Vorsitzender der Freien Wohlfahrtspflege NRW, appelliert an die Politik, aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen. Damit die Integration in den Arbeitsmarkt künftig gelinge, seien längerfristige, vernetzte und aufeinander aufbauende Förderprogramme wichtig. "Unkoordinierte, viel zu kurz befristete Einzelmaßnahmen ohne direkte Anschlussperspektiven sind weder für Geflüchtete noch für Langzeitarbeitslose ohne und mit Migrationshintergrund hilfreich."

Die Freie Wohlfahrtspflege plädiert dafür, möglichst schnell nach der Ankunft der Flüchtlinge in Deutschland mit Angeboten zur Sprachförderung zu starten und sie mit Möglichkeiten der beruflichen Qualifizierung und Neuorientierung zu verbinden.

 

Ina Heythausen

Diakonie-Projekte für Flüchtlinge und Migranten

Dafür gebe es im Bereich der Diakonie RWL bereits viele gute Projekte, betont die Arbeitsmarktexpertin des Sozialverbands, Ina Heythausen. Sie verweist auf die NEUE ARBEIT Essen, einen selbstständigen Arbeitshilfeträger der Diakonie Essen, der gemeinsam mit einem örtlichen Aluminiumhersteller im Herbst ein Ausbildungsprogramm für 22 junge Geflüchtete in der Metallverarbeitung startet. Doch die NEUE ARBEIT hat auch arbeitslose Migranten im Blick und bildet diese zu Flüchtlingshelfern aus, die den neuangekommenen Zuwanderern bei der sozialen Integration in die deutsche Gesellschaft helfen sollen.

Unter diesen sogenannten "Wegbereitern" sind viele ältere Frauen. Sie haben die Familienphase bereits hinter sich und hoffen mit dem Projekt auf einen beruflichen Neuanfang. Ina Heythausen wundert das nicht. "Unter den Migranten gibt es immer noch viele Frauen, die nicht mehr erwerbstätig sind, wenn sie eine Familie gründen." Laut Arbeitslosenreport war nur etwas mehr als die Hälfte der Frauen mit Migrationshintergrund berufstätig. Bei den weiblichen Nichtmigranten sind es knapp 70 Prozent.

"Der Wunsch nach gesellschaftlicher Teilhabe und einer beruflichen Qualifikation ist aber auch unter den Frauen groß", beobachtet Nikolaus Immer. "Wir sollten alles dafür tun, damit das Mammutprojekt der Integration jetzt sowohl bei Migrantinnen und Migranten als auch bei den Geflüchteten schnell gelingt."

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