28. Juni 2012
Ambulante Pflege muss ordentlich bezahlt werden
Schere zwischen Kosten- und Vergütungsentwicklung klafft auseinander

Reinhard Quellmann, Vorsitzender Fachverband Ambulante Pflege der Diakonie RWL
Die Entgelte im Bereich der häuslichen Krankenpflege reichen nicht aus. „Trotz bestehender Überschüsse der Krankenkassen von knapp 20 Milliarden Euro klafft die Schere zwischen Kosten- und Vergütungsentwicklung immer weiter auseinander“, so Reinhard Quellmann, Vorsitzender des Fachverbandes Ambulante Pflege der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe auf der Mitgliederversammlung in Essen. In den vergangenen zehn Jahren seien die Entgelte für Pflegedienstleistungen durchschnittlich um sechs Prozent angehoben worden, die realen Personal- und Sachkosten in diesem Zeitraum sind allerdings um 19 Prozent angestiegen. Zusätzlich hat sich in der häuslichen Krankenpflege ein überbordender Bürokratismus entwickelt, der eine weitere finanzielle Belastung bedeutet, da er Personal bindet. Häusliche Pflegedienste sind unentbehrlich für die Versorgung von Pflegebedürftigen in der eigenen Häuslichkeit und im Quartier. „Wir erwarten von der Politik eine deutliche Beteiligung am Ausbau der kommunalen Infrastrukturen und bieten aktiv unsere Mitarbeit an“, meinte Quellmann.

Andreas Heiber, Unternehmensberater
Vergessene und heimliche Leistungen
Die Unternehmensberater Andreas Heiber und Cito Aufenacker beschäftigten sich mit der Frage, welche Weichenstellungen für ambulante Pflegedienste notwendig sind, um den Anforderungen aus wirtschaftlicher Perspektive gerecht zu werden. „Bei Kunden fehle oft das Bewusstsein, dass eine zusätzliche Leistung erbracht wird, da die Pflegekraft eh da ist und beispielsweise nur eben den Müll mit runternimmt“, meinte Andreas Heiber. Man müsse die Sensibilität schärfen für „vergessene und heimliche“ Leistungen. Häufig wären das kleine Hilfeleistungen im Haushalt, manchmal auch für den Partner des Pflegebedürftigen. Pflegekräfte müssten regelmäßig geschult werden, welche Leistungskomplexe es gebe. Dann sei beiden Seiten klar, was unter der Hilfe zu verstehen ist. Besonders die Abgrenzung zur Hauswirtschaft sei wichtig, denn Rolläden hochmachen oder für den gesamten Pflegehaushalt einkaufen, sei keine Pflegeleistung. „Man muss den Leistungen einen Preis geben und dann überlegen, was rechen wir ab“, meinte Heiber. Gut verständliche Preislisten mit Beispielen seien ein gutes Mittel, mehr Transparenz herzustellen. Cito Aufenacker riet, die Kunden zu allen Leistungen der Pflegeversicherung zu beraten. Die Verhinderungspflege – zur Entlastung pflegender Angehöriger – sei eine Leistung der Pflegekassen, die häufig nicht ausgeschöpft würde.
