22. Juni 2012
Einfluss von TV-Beratung auf professionelle soziale Arbeit kann auch zur Enttabuisierung beitragen
Ruf der Schuldnerberatung hat nicht gelitten

Petra Köpping, Referentin Schuldnerberatung
Das Fernsehen ist voll von TV-Formaten, die medienwirksam Beratung anbieten. Die „Super-Nanny“ bringt Familien in Ordnung, andere Sendungen helfen „Raus aus den Schulden“. Die Formate stehen heftig in der Kritik. Einige sind mittlerweile schon wieder vom Bildschirm verschwunden. Das Fernsehen greift ähnliche Probleme auf wie Beratungsstellen von Kirchen und Wohlfahrtsverbänden.
Während in Beratungsstellen Diskretion selbstverständlich ist, macht das Fernsehen das genaue Gegenteil: Die Menschen und ihre Probleme werden in die Öffentlichkeit gebracht. Die Schuldnerberatung der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe hat einen konstruktiven Umgang mit solchen Formaten entwickelt. „Wenn es um Erwachsene geht, können TV-Sendungen auch zu einer Enttabuisierung beitragen. Unser Ruf hat nicht gelitten“, so Petra Köpping, Referentin bei der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe.
Der Kinderschutzbund hat Formate wie „Die Super-Nanny“ oder „Erwachsen auf Probe“, worin Jugendliche mit Kleinkindern das Elternsein testen konnten, kritisiert. Die Kindererziehungsberatung im Privatfernsehen funktioniere nicht nur nicht, sie erschwere auch die seriöse Beratung.
Klienten kommen früher
Bei den Beratungssendungen für Erwachsene kann man die Sache vielleicht entspannter sehen. „Egal wie schlecht eine Sendung gemacht ist: Die entsprechenden TV-Formate haben dazu beigetragen, dass der Gang zur Schuldner- und Insolvenzberatung leichter geworden ist“, sagt Petra Köpping. Früher hätte man bei Freunden und Angehörigen nie darüber gesprochen. Heute fänden die Menschen früher den Weg in die Beratungsstelle, so dass ihnen schneller geholfen werden kann. Allerdings kämen auch hier die Klienten oft mit falschen Vorstellungen:“ Wir können natürlich niemanden bei der Hand nehmen und ihn zu Gesprächen mit seinen Gläubigern begleiten“, stellt Köpping klar. Hausbesuche, insbesondere für zunehmend ältere Schuldnerinnen und Schuldner, seien auch nicht leistbar. Bedingt durch die beschränkten finanziellen Ressourcen übersteige der Beratungsbedarf leider deutlich das Beratungsangebot.
