19. Januar 2016

Evangelische Betreuungsvereine

Aufstockung der Fördermittel reicht nicht

Rechtsbetreuer Dennis Dick in Bochum

Die Betreuungsvereine in NRW bekommen mehr Geld vom Land. Das hat Sozialminister Rainer Schmeltzer am Montag angekündigt. Die Diakonie RWL begrüßt dies als ein positives politisches Signal, hält die Fördermittel aber für nicht ausreichend und fordert gemeinsam mit anderen Sozialverbänden der Freien Wohlfahrtspflege NRW ein stärkeres Engagement vom Bund. Sonst droht die Schließung weiterer Betreuungsvereine.

In Nordrhein-Westfalen kümmern sich rund 190 Betreuungsvereine um etwa 30.000 unter rechtlicher Betreuung stehende Menschen. Die Betreuer regeln ihre finanziellen Angelegenheiten und helfen beim Umgang mit Behörden, Versicherungen, Krankenkassen oder auch Vermietern. Unter dem Dach der Diakonie RWL gibt es 61 Vereine, der Großteil liegt in NRW. Sozialminister Rainer Schmeltzer will die Betreuungsvereine künftig stärker fördern.

Die Gelder würden um eine Million auf 2,7 Millionen Euro erhöht, kündigte der SPD-Politiker auf einer Fachtagung der Arbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege NRW am Montag in Düsseldorf zur Situation der Betreuungsvereine an. "Die Landesregierung hat unser Problem der Unterfinanzierung erkannt und setzt mit der Förderung ein positives politisches Signal", so Martin Hamburger, Chef der Wuppertaler Diakonie und Fachverbandsvorsitzender der Diakonie RWL. "Für eine auskömmliche Finanzierung reicht das Geld aber leider nicht." Hamburger sieht wie sein Kollege von der Caritas im Bistum Münster, Heinz-Josef Kessmann, einen zusätzlichen Finanzbedarf von rund zwei Millionen Euro für die Betreuungsvereine in NRW. 90 Prozent aller Vereine häuften derzeit Defizite an, warnte er.

 

Ehrenamtliche Betreuung im Fokus

Sozialminister Schmeltzer lobte besonders die ehrenamtliche Tätigkeit in den Betreuungsvereinen. Ehrenamtliche Betreuer leisteten einen unschätzbaren Dienst an der Gesellschaft, so der Minister. "Angesichts des demografischen Wandels wird ihre Arbeit künftig noch wichtiger werden", sagte er. Tatsächlich ist die Zahl der unter Betreuung stehenden Menschen in Deutschland in den vergangenen Jahren auf rund 1,3 Millionen gestiegen. Immer mehr Menschen sind alt und dement, aber auch die Zahl psychischer Erkrankungen hat zugenommen.

Waltraud Nagel

Bei den 61 Betreuungsvereinen, die sich unter dem Dach der Diakonie RWL um diese Menschen kümmern, arbeiten rund 300 hauptamtliche Mitarbeiter. Sie betreuen nicht nur jeweils zwischen 40 und 50 Klienten, sondern begleiten auch mehrere Tausend ehrenamtliche Betreuer. "Das ist ein anspruchsvoller Job, für den die Mitarbeiter gut ausgebildet und fortgebildet werden müssen", erklärte Waltraud Nagel, die für Betreuungsvereine zuständige Referentin bei der Diakonie RWL.

 

Existenzkrise ohne Bundesmittel nicht zu stoppen

Die ehrenamtliche rechtliche Betreuung könne nur durch die Stärkung der Betreuungsvereine dauerhaft gesichert werden, so der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege NRW, Andreas Johnson. Er forderte eine auskömmliche Finanzierung der Vereine durch das Land NRW und eine Bundesratsinitiative, um die Stundenvergütung der Betreuer zu erhöhen. Schließlich wird die Arbeit zum größten Teil vom Bundesjustizministerium finanziert. Es hat die Gelder aber seit 2005 eingefroren.

"Bis heute gibt es 44 Euro für eine Betreuungsstunde und einen festgeschriebenen Anzahlsatz an Stunden. Damit kommen wir aber nicht aus", betonte Hamburger. Schon heute seien 44 Betreuungen pro Vollzeitstelle nötig, damit ein Verein überleben könne.

In den letzten beiden Jahren mussten den Angaben zufolge im bevölkerungsreichsten Bundesland sieben Betreuungsvereine schließen, weil die Finanzierung nicht auskömmlich war. Davon seien auch etwa 350 ehrenamtliche Betreuer betroffen, die nun nicht mehr durch Vereine begleitet würden. "Wir befinden uns derzeit in einer großen Existenzkrise und kämpfen deshalb darum, dass der Bund endlich mehr Geld für diesen wichtigen Arbeitsbereich in die Hand nimmt", so Hamburger.

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